Siegermärchen 2018

Die Wortakrobaten

Es war einmal eine junge Frau, die lebte tief unten in den Gewölben des Schlosses, dort, wo nur Kerzenschein die Räume erleuchtete.. Nur selten kam sie jemand besuchen, doch die Einsamkeit störte sie nicht, denn sie war umgeben von Büchern und Geschichten: Die junge Frau war die Bibliothekarin des Königs und ihr Name war Sofie
Eines Tages, als sie gerade den rattenzerfressenen Ledereinband eines Poesiealbums reparierte, vernahm sie plötzlich einen Tumult von oben. Irritiert verließ sie die Bibliothek, um dem Ursprung des Lärms auf den Grund zu gehen. In der Empfangshalle traf sie auf den Hofnarr, der — entgegen seiner sonst so frohen Natur — mürrisch vor sich hin murmelte: "Die glauben wohl, sie wären etwas Besseres mit ihren komischen Gedichten... — Oh, Sofie, Sie s sind es... Sie kommen gerade recht, Sie stehen doch bestimmt auf dieses Zeug..." Er wies verächtlich hinter sich und verschwand in Richtung Küche. Verdutzt betrat Sofie den Thronsaal, in dem sich der ganze Hof bis an die Wände drängte. Direkt vor dem Thron hatte man eine Bühne errichtet und es schien ein Zirkus an den Hof gekommen zu sein.
11_ Wir, Wortakrobaten und Wortakrobatinnen von weit weg, wollen wundervoll wohlige Wortwerke wiedergeben. Also Augen auf für alle Akrobaten, angefangen mit mir, Ali Alliterat!"
Der schlaksige Mann, der gesprochen hatte, verbeugte sich kurz, und gab den Platz frei für seinen bärtigen Kollegen. Dieser faltete die Hände vor seinem voluminösen Bauch und sprach ruhig mit tiefer Stimme:
"Reiner der Reimer so nenne ich mich
und ich reime wie keiner, ganz unaufhörlich
Mit Gedichten, Geschichten und Versen will ich
soweit es geht
o Majestät
Sie beglücken, verzücken, doch langweilen nicht"
Bedächtig trat Reiner zurück und gab den Blick frei auf eine dritte Gestalt, welche nun in die Mitte der Bühne schritt und mit einer ausladenden Geste zu sprechen begann:
"Oh, engelsgleiche —"
"Laaang\iveilig!", unterbrach ihn der König und warf sich eine Weintraube in den Mund. Der Hof brach in Gelächter aus. Der Wortakrobat blickte hilfesuchend zu seinen Freunden und Ah i der Alliterat sagte schnell: "Vielleicht verschieben wir vorerst verbleibende Vorstellungen für folgende Vorführung: Dada, deine Darbietung!"
Was Sofie eben noch für eine grüne Säule gehalten hatte, bewegte sich plötzlich nach vorne. Sie reckte den Hals und erkannte, dass es sich um einen riesigen Zylinder handelte, der auf dem Kopf eines kleinen Mannes thronte.
"Gebt mir euer Lieblingswort, sagte dieser. Das Publikum sah sich stirnrunzelnd um, aber gab keinen Laut von sich.
"Bibliothek!", rief Sofie aus der letzten Reihe, woraufhin ein Murmeln durch den Saal ging und sich manche verwundert zu ihr umdrehten. Der Wortakrobat aber rieb sich freudig die Hände, räusperte sich und begann voller Inbrunst:
 
"BI-BLIO-THEK!
Bi bi lothek
Theliobeek
Te te
Blibotebi
Thebi tobib
bibi tete
Letebibi
Thekili bo
bo bo blio
tele tithek
Bib—"
"AAAAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAAAAAAAH!"
Sofie schreckte auf, als der König plötzlich anfing zu grölen. Alsbald war der Saal erfüllt mit dem Gelächter des ganzen Hofs, nur Sofie schwieg und beobachtete mitleidig den hochroten Kopf unter dem grünen Hut.
"Hahahahahahahahahahahahahahahaaaaah“
"Ihr Banausen, ihr Hohlköpfe! Ihr habt doch keine Ahnung!", rief Dada zornig und stürmte, den Hut mit beiden Händen festhaltend aus dem Saal. Seine Kumpanen schüttelten tadelnd den Kopf und folgten ihm aus dem Thronsaal. Das Gelächter des Königs erscholl noch lange in den Gängen des Schlosses. Sofie aber kehrte nachdenklich in ihre Bibliothek zurück.
Der folgende Morgen wurde von tosendem Gebrüll eingeläutet. Sofie, die in diesem Moment einen Tee zubereitete, fiel der Krug runter und zersplitterte in viele Stücke. Irritiert fegte sie die Splitter weg und griff zur Morgenlektüre.. "Merkwürdig!", rief sie verwundert, denn große Lücken prägten die sonst voll bedruckten Seiten. Sie blinzelte, trotzdem blieben die weißen Stellen. Verständnislosigkeit ergriff Sofie: Wo blieben die vielen Worte, die dort einst die Sätze füllten? So viel sie probierte, die Lücken zu füllen; die Begriffe wollten Sofie in keiner Weise in den Kopf kommen. Nervös eilte sie quer über die Gänge, zog Wälzer und Poesie-Werke, Kompendien und Bildbände von den Brettern. Entsetzt musste sie feststellen: Jede einzelne Seite zeigte Spuren der Veränderung. Sie wusste keine Erklärung für dieses Mysterium.
Sie musste den König informieren. Unterwegs begegnete sie einem entsetzten Diener, der stotterte: "Sofie! ... Du.... reden können? Wir... König ... großes Problem"
Um weitere Erklärungen zu erbitten, öffnete Sofie den Mund, nur um verwirrt festzustellen: Sie konnte keine Entgegnung formulieren. 'Kurios', überlegte sie, 'die Worte liegen mir zweifellos im Munde, trotzdem misslingt es mir, sie über die Lippen zu bringen. Wie frustrierend!' Der Diener nickte bestätigend und zerrte Sofie eilig die Treppe empor. In dem Moment, in dem sie den König erblickte, der in seinem Bett entgeistert zur Decke glotzte, wusste sie, wie prekär die Umstände sein mussten. Seine' Unterlippe zitterte und er wimmerte leise bis er Sofie bemerkte.
".... nv... ei?... IST! .... uzt...rsdkg?... LOS!...jqs?... eofjwj...??? fcv... msö...?? idfweru..?? csöv nä?... REDEN!!?"grunzte er erfolglos, wild gestikulierend. Einen Moment überlegte Sofie fokussiert "Offenkundig.. ..gibt es ein Problem.... mit den VVörtern..., bleiben wir besonnen.", meinte sie. Ungläubig runzelte der König die Stirn.
"nnnd - Wer... bist du?", wollte er wissen und wirkte erlöst, dies formulieren zu können. "... Meine Wenigkeit ist diejenige, die ... im Keller die Lektüre pflegt. Dort ... gibt es ebenso
 
dieses ... obskure Mysterium der verlorenen Worte. Wieso nur ... kommen einige Begriffe. in keiner Weise ... in den Sinn?"
Der sonst so selbstbewusste König zuckte nur verwirrt und wirkte äußerst klein in seinem großen Morgenrock.
"Eventuell können die ... vom Wortzirkus ... eine Lösung finden?", überlegte Sofie. Verlegen nickte der König und blickte bittend zu Sofie. Diese seufzte verständnisvoll, knickste kurz und ging zur Tür um die kommende Reise vorzubereiten. Wenig später stieß sie mit Gepäck und Verpflegung zum Ritter vorm Burgtor, um den Weg zu ermitteln: "Zeig mir bitte... den Weg..., den die Wortkünstler... gestern gingen." Trotzdem er erst den Mund öffnete, blieb er stumm und biss grübelnd in seine Lippe. Zu guter Letzt zeigte er in die bergige Ferne im Osten. Verständnisvoll nickte Sofie und ging eilig in den umliegenden Ort, in dem sonst Trubel und buntes Treiben die Luft erfüllte. Dementgegen wirkte dieser Morgen still und beklemmend; die verstummten Bürger wirkten verwirrt. Einige Stunden später wurden Sofies Beine immer müder. Just in dem Moment, in dem sie überlegte, ob sie die Wortkünstler je finden würde, bemerkte sie in der Ferne eine Gruppe von Zelten. Jedes einzelne zierte ein bunt bestickter Wimpel mit einer Feder und einem Tintenklecks. Begeistert lief sie los und wurde bereits von Weitem von den Wortkünstlern entdeckt, die sie winkend begrüßten. Sie konnte die Männer eindeutig zuordnen: 'Reiner, der so gut reimte! Und dieser dort?', rätselte sie stumm, 'Der konnte sein Stück nie vorstellen! Und der Dritte? Kein Zweifel, er moderierte die gestrige Vorstellung. Nur, wie stellte er seine Person vor?'
"Oh welch glückselige Stunde hat geschlagen!
Oh siehe! Dein engelsgleiches Antlitz, wie es unser trister Leben erquicket!
Nur des Teufels grausames Werk selbst kann es gewesen sein,
Oh, das die Odyssee deiner Abwesenheit über unsere nichtigen Häupter brachten
rief ein stämmiger Künstler Sofie mit bedeutungsvollen Gesten und melodiöser Stimme
entgegen.
"Pathos!", rief Reiner der Reimer, und der Redner verstummte.
"Pathos hier kann übertreiben,
und selten auf dem Boden bleiben.
Doch sei nicht wegen ihm verzagt,
denn alles, was er dir grad sagt,
ist nett gemeint und soll bedeuten:
Willkommen bei uns schlichten Leuten!"
Diese Sätze verdutzten sie. Irgendwie wirkten die Worte wie geträumte Bilder, die Sofie entglitten, wenn sie sie greifen wollte. Dies mussten sie sein, die Worte, die Sofie fern blieben!
Der Künstler, der stets übertrieb, redete indes weiter:
"Oh, weh mir, oh, ich armer Knecht,
den keine Seele mag verstehen!
Oh, flüstere mir deinen holden Namen!"
"Sofie!", erwiderte sie, "Wie- ... Deine Benennung?"
 
Interessiert wurde sie gemustert. "Ei, eine Ellipsistin!", rief der große Dünne, den sie
eindeutig zuordnen konnte.
"Nein!", entgegnete sie, "Wie nennen sie deine Person?"
"Ich? Winziger Knirps? Oh, ich niederste Wenigkeit nenne mich Pathos!"
"Wie?"
"Pathos!"
Verzweifelt wollte sie seine Äußerung wiedergeben - es missglückte wieder und wieder.
Deswegen erklärte sie den Künstlern die ernsten Umstände.
"Wir vermissen Wörter! ... Der König, die Ritter, die Bürger, meine Wenigkeit - wir können ...
wir bleiben erfolglos beim ... Erdenken der Wörter ... und stellen Probleme beim ...
kommunizieren... fest!"
Eine Weile blieb es still und die drei blickten verständnislos. Bis Reiner die Stille beendete:
"Doch welche Worte sind vermisst?
Dein Sprechen klingt zwar wirklich trist
Versteh'n kann man dich aber gut,
Fehlt's dir an Wortschatz oder Mut?"
Sofie verneinte ungeduldig.
"Allerdings, eine anregende Angelegenheit! Da dürfte Dada doch dienen können.", rief der
große Dünne, "Seit Langem leitet er lehrreiche Linguistik-Labore und untersucht unter
Umständen ungewöhnliche Sprach-Unfälle."
"Der mit dem grünen Zylinder?", entgegnete sie ermutigt.
"Ganz genau. Zur Zeit zickt er zwar ziemlich zornig... Zu zweit zum Zelt ist zweifellos
zwangloser!"
Reiner nickte zustimmend.
"Oh, aller-"
"Pathos, lass die Lobeslieder,
später seh'n wir sie doch wieder!"
Somit gingen die beiden Kollegen und ließen Sofie mit dem großen Dünnen zurück. Dieser wies den Weg über die Wiese. Vor den vielen Zelten ringsum weilten Wortkünstler und übten erlesene Texte für die Vorstellung. Sofies Begleiter ging zum größten Zelt. Es wirkte wie ein riesiger Zylinder, bedeckt mit Unmengen von Runen und Ziffern.
"Dada, du da?" wollte der Wortkünstler wissen, öffnete mit einer flüssigen Bewegung die Zelttür und ließ Sofie eintreten. Drinnen entdeckte sie im Dunkeln türmeweise dicke Wälzer, Vitrinen mit jeder Menge Tintenfässern und Gefäße voller bunter Flüssigkeiten. Federkiele, bleierne Ziffern und Messstäbe bedeckten den Boden. In einer Ecke .verströmte ein brodelnder Kessel einen verlockenden Duft, der Sofie träumen ließ.
"Er ist entschwunden. Entweder er erforscht epische Erzählebenen oder offenbart dem Onomatopoeten originelle Oden. Sei sorglos, ich suche sofort seine sanftmütige Seele. Harre hier!"
Er eilte fort und ließ Sofie im Zelt zurück. Neugierig erkundete sie die vielen Utensilien und erblickte einen gläsernen Kolben, mit merkwürdigen Formen gefüllt. Trotzdem sie fremd wirkten, meinte Sofie die Symbole zu kennen. Sie ging rüber, griff den Rundkolben und musterte verträumt die kleinen Formen. Prompt ergriff sie eine unbändige Begierde. Sie
 
wollte, nein, sie musste die Symbole besitzen! Mit zittrigen Fingern öffnete sie den Deckel und sog den Duft ein:
"AAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHH!"
Auf einmal war ihr alles klar: "Das A und das H Waren abwesend!" Ihr war als wären ihre Atemwege nach langer Krankheit abermals frei.
"Aschfahler Hals! Herannahen! Habschaft! Hahn! Hauchzarte Ahnung! Abhang! Haltbar! Haargenau! Alkoholhaltiges Abendmahl! Aal! Hasenherz!" rief sie ekstatisch. Alarmiert kamen Ah i und Dada herein. "Was ist hier los?" fragte Dada argwöhnisch und nahm ihr das Glas ab. Aufgeregt antwortete Sofie: "Hahaa, ich habe meine Sprache zurückerhalten! Das A und H waren mir abhanden, hahah!"
Ah i sah sie an, dann Dada, dann das Glas und dann abermals Dada. Misstrauisch wandte er sich zu seinem Kumpanen: "Stahlst du schamlos schwerwiegende Stücke der Sprache?" Dada schaute ertappt aufs Glas, indem hunderte As und Hs lagen. Sofie aber lachte laut:" Sprache? Ahahahaaa! Was ein anregend, hahahaha, erhabener Ausdruck! Hahah!" Allmählich verstand Dada, was passiert war: "Du musst eine Überdosis an As und Hs genommen haben, hier trink dieses Verdünnungsmittel, das wird helfen." Sie nahm das Glas aus Dadas Hand und nahm den aromatischen Trank rasch zu sich. "Vielen Dank, ja, das ist schon viel bessern bedankte sie sich sichtlich erleichtert. "Welch wirklich weitreichender Wirrwarr! Warum, weil du wütend warst?" wunderte sich Ah. "Wütend? Ich war außer mir! Verspottet wurde meine Kunst, du hast es doch gehört: 'Hahahaha', hat er mich verhöhnt!", äffte er den König nach. Dabei gestikulierte er so stark, dass ihm beinahe der Zylinder vom Kopf rutschte. "Nur weil der König dein Gedicht nicht mochte, heißt es nicht, dass es niemand. mochte. Denn ich zum Beispiel fand es sehr bemerkenswert!", meinte Sofie beschwichtigend.
"Aber irgendjemand musste diesem Dreikäsehoch doch eine Lektion erteilen! Also, stahl ich sein idiotisches Lachen..."
"Aber du hast nicht nur das Lachen geklaut und auch nicht nur das des Königs", erklärte sie eindringlich, "denn das gesamte Königreich ist nicht mehr in der Lage sich vernünftig zu verständigen! Die meisten sind sowieso Analphabeten, wie sollen die dann noch ohne A und H auskommen? Es ist ein reines Chaos!" Den Blick nach unten gewandt, griff Dada sich an die Hutkante und räumte schließlich etwas zerknirscht ein: "Ja mag sein, vielleicht habe ich überreagiert." Nach einer kurzen Pause ergriff Ah i das Wort:"VVie wär's, wenn wir wohlwollend wieder umdrehen, die Untat umgehend ungeschehen machen und die ungebildeten Untertanen unterrichten?"
Dada nickte einsehend. "Du hast recht. Ich mach mich gleich an die Arbeit." Damit begann er in seinem vollgestellten Labor herumzuwuseln und verschiedenste Substanzen in den kochenden Kessel zu kippen. Sofie blickte zu Ah i auf: "Das würdet ihr wirklich machen?"
Ali nickte. "Ich, indess, informiere idealerweise mal meine meist munteren Mitstreiter!" Mit diesen Worten verließ er das Zelt. Sofie hatte Gelegenheit, Dada beim Brauen seines Trankes über die Schulter zu gucken. Zum Schluss kippte er die Buchstaben aus dem Rundkolben in das Gebräu. Sie beugte sich neugierig über den Kessel.,
"Oh, lecker, Buchstabensuppen rief sie begeistert.
"Nicht ganz", meinte Dada, "aber du wirst sehen!"
 
Am nächsten Morgen herrschte rege Aufbruchsstimmung irr) Lager. Zwei Ironiker sorgten für Aufruhr, als sie sich beim Abbau ihres Zeltes lautstark stritten:
"Hast du jemals ein Zelt auseinandergebaut?!"
"Nein, seit zehn Jahren schlepp ich immer ein noch aufgebautes Zelt mit!"
"Ihr seid nicht gerade leisen mischte sich eine Litotegistin ein, "Könntet ihr weniger laut sein?"
Sofie grinste verstohlen in sich hinein. Dieser bunte Trupp gefiel ihr immer besser.
Einige Stunden später erreichten sie die Stadt, welche unheimlich verlassen wirkte. Die Wachen brachten Sofie und die Wortakrobaten erleichtert zum König. Dieser schien das Bett seit ihrer letzten Zusammenkunft nicht verlassen zu haben. Als er seine Bibliothekarin erkannte, schien ein Funken Hoffnung in seinen blutunterlaufenen Augen aufzuleuchten. Fragend harrte sein Blick auf ihr, aber er wagte es nicht, das Wort zu ergreifen. Sofie nickte Dada zu und dieser trat ans Bett, um dem verdutzten König das Buchstabengebräu einzuflößen. Keine zwei Sekunden darauf sprang der König auf und hüpfte freudig in seinem Morgenrock umher: "Hahaaa! Ich kann wieder sprechen!", jauchzte er, "Wie habt ihr das nur geschafft?"
Da erzählten sie ihm ganze Geschichte. Als sie fertig waren, sagte Dada: "Es tut mir aufrichtig leid, eure Majestät, dass ich Sie bestohlen habe."
"Nein, ich bin es, der sich entschuldigen muss, ich hätte über dein Gedicht nicht lachen sollen", antwortete der König verlegen, "Vielmehr, sollte ich mich bedanken dafür, dass ihr mir klar gemacht habt, wie wichtig die Sprache ist. Noch vor einem Tag wusste ich nicht einmal, dass es überhaupt eine Bibliothek gibt und nun hat die Bibliothekarin uns alle gerettet." Sein beschämter Blick fiel auf Sofie, die schnell sagte: "Wie wär's, wenn wir erstmal in der gesamten Stadt diesen Trank verteilen? Außerdem haben sich die Wortakrobaten dazu bereit erklärt allen Menschen hier das lesen und schreiben beizubringen."
Begeistert stimmte der König zu und binnen kurzer Zeit galt die Stadt als literarisches Zentrum des Landes. Die Bibliothek wurde in die Innenstadt verlegt, wo es nun jeden Abend Lesungen und Poetry Slams gab. Wenn die Zeit es erlaubte, ließ es sich der König nicht nehmen, selbst einmal auf der Bühne zu stehen und zu moderieren, was ihm großen Spaß bereitete.
Sofie aber zog, als sie nicht weiter gebraucht wurden, mit den Wortakrobaten mit und nahm nur einige ihrer Lieblingsbücher mit. Sie zogen von Stadt zu Stadt und von Land zu Land, begeisterten unzählige Menschen und erlebten viele Abenteuer. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann dichten sie noch heute.


Paul und Anna Wolf, 17 und 22 Jahre

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Der tapfere kleine Waldmops Felix

Es war einmal vor langer, langer Zeit in den dichten grünen Wäldern rund um Brandenburg an der Havel....
Da lebten die Waldmöpse zufrieden und glücklich. Die Waldmöpse waren kleine Gestalten, eine Mischung aus Mops und Hirsch, mit dem niedlichen Gesicht eines Mopses und kleinen kurzen Beinchen, einem winzigen Hirschgeweih und einem Schweinchen-Ringelschwänzchen. Den Tag verbrachten sie mit Spielen und dem Verbuddeln der Knochen verstorbener Waldtiere. Sie suchten Kastanien, Eicheln und Beeren, die sie genüsslich und gemeinschaftlich futterten. Abends erzählten sie sich Gutenachtgeschichten und schliefen eng aneinander gekuschelt in Baumhöhlen. Im Schlaf wurden die friedlichen Waldmöpse unsichtbar. Dann wurden sie von einem feinen Rauch umhüllt und niemand konnte sie sehen.
Doch dann zogen immer mehr Menschen nach Brandenburg und rodeten die Wälder ab, um ihre Häuser zu bauen. Da wurde das Zuhause der Waldmöpse immer kleiner und kleiner. Die Menschen hatten Angst vor den merkwürdigen Tieren, die sie noch nie zuvor gesehen hatten. Sie dachten, diese wilden kleinen Tierchen wären vielleicht gefährlich, vielleicht bissig. Ihr eigenartiges Geweih fanden sie auch sehr bedrohlich, auch wenn es ziemlich klein war. Und so kam es, dass die Waldmöpse immer weiter davon getrieben wurden.
Das machte auch den Waldmöpsen große Angst.
Eines Tages, als all die Waldmöpse nur noch in einem kleinen Waldstück leben konnten, machte sich ein kleiner tapferer Waldmops namens Felix auf den Weg in die Stadt, um den großen Roland zu finden, der alle Brandenburger beschützte, um ihn um Hilfe zu bitten.
Felix wollte nur in der Nacht gehen, um nicht von den Menschen gesehen zu werden. Er packte ein kleines Bündel mit Kastanien und Eicheln und eine Hand voll winzige rote Edelsteine ein. Sie sollten ihm den Weg zurück nach Hause zeigen, wenn er seine Aufgabe erfüllt hatte.
Felix zog nun los in die große Stadt Brandenburg. Als er ankam, war es bereits dunkel. Er stand gerade am Plauer Torturm, als er großen Durst verspürte und
gegenüber des Turmes am Rande eines Parks eine Pumpe sah, unter der sich eine Pfütze Wasser gebildet hatte. Hier stillte er seinen Durst, legte einen roten Edelstein nieder, um den Weg zu markieren und zog weiter.
Er ging durch den Park an der Stadtmauer entlang und legte wieder einen roten Edelstein nieder, als er sich kurz hinsetzte um auszuruhen. Wie er so saß, beobachtete er die Vögel in ihren Nestern, welche sich gerade zum Schlaf zusammenkuschelten und dachte dabei an seine Familie zu Hause im Wald. Eine kleine Träne kullerte sein kleines Gesichtchen herunter. Doch dann erinnerte er sich schnell wieder, warum er sich auf den Weg gemacht hatte, schniefte kurz und ging weiter.
Er kam an die Havel und ging am Fluss entlang. Auf einmal schlich ein feiner Geruch in seine kleine Stupsnase. Wie ein kleiner Staubsauger saugte seine kleine Nase am Boden entlang, bis er in den Büschen am Ufer der Havel einen angebissenen Keks fand. Den musste wohl eines der Menschenkinder hier verloren haben, dachte er sich und probierte davon. Es schmeckte so gut, dass er ihn ganz vernaschte und zur Erinnerung an diesen wundervollen Leckerbissen, legte er auch hier einen roten Edelstein ab.
Er ging weiter am Havelufer entlang in Richtung einer hell beleuchteten Brücke. Plötzlich ertönte ein lautes durchdringendes Geräusch in seinen Ohren. Felix erschrak so sehr, dass er schnell in die Büsche flüchtete. Mit weit aufgerissenen Augen schaute er in die Richtung, aus der dieses Geräusch gekommen war. Auf dem riesigen Fluss fuhr ein großes Schiff, auf dem in weißen Buchstaben "Havelfee" stand, das gerade versuchte, einem der Schwäne auszuweichen.
"Puuhh", dachte Felix, "hier in der Stadt ist selbst in der Nacht noch keine Ruhe!" Auch für diesen Schreck ließ Felix einen Edelstein im Gebüsch liegen.
Er hatte sich gerade beruhigt, als auf einmal wie aus dem Nichts ein Mensch in seine Richtung gerannt kam. Felix machte einen Satz, sprang in die Büsche und rannte so schnell er konnte Richtung Brücke vorbei an einem großen Gebäude, auf dessen Schild "St. Johanniskirche" stand, dabei rutschten ihm 3 seiner roten Edelsteine aus dem Bündel und blieben hier auf der Wiese liegen.
"Ich muss schnell ein Versteck finden", dachte er und huschte um das große Gebäude herum. Wie erstarrt blieb er stehen, denn hinter dem großen Gebäude auf einer kleinen Lichtung passierte etwas Magisches. Mitten auf der Lichtung erstrahlte eine Säule aus kleinen glitzernden Sternen, die sich spiralförmig in die Höhe schlängelte. Felix konnte seinen Augen nicht trauen, er war wie verzaubert. Konnte das etwa der große Roland sein? War er endlich am Ziel seiner Reise angekommen? Ganz gefesselt von dieser glitzernden Magie wurde ihm ganz warm ums Herz und er dachte, dass es irgendetwas mit dem Dasein der Waldmöpse zu tun haben musste. Aber der große Roland erschien hier nicht. Er musste sich losreißen von dieser Zauberei und weiter suchen. Er ließ jedoch zwei seiner roten Edelsteine auf der
Lichtung, um auf seinem Rückweg auf jeden Fall hier noch einmal den Glanz und die Lichter genießen zu können.
Langsam wurde er müde. Er suchte sich ein Versteck unter der beleuchteten Brücke, um zu schlafen. Im Schlaf brauchte er keine Angst zu haben gesehen zu werden,
denn im Schlaf wurden ja alle Waldmöpse unsichtbar. Er schlief den ganzen r_s
folgenden Tag über.
Am nächsten Abend wollte er seine Suche fortsetzen, legte einen roten Stein an sein Versteck und trabte weiter.
Er ging über die Brücke, markierte am Fuße der Brücke mit einem weiteren Edelstein den Weg und lief in Richtung des weit über die Stadt zu sehenden großen Dorns. Auf seinem Weg legte er noch weitere Edelsteine nieder: als er um eine Ecke bog, als er vor einer Insel ankam, als er über den Markt der neuen Stadt lief und an einem Turm, der sich Mühlentorturm nannte. Dann machte er eine Rast an der Havel, schaute über den Fluss, wo ganz viele Seerosen schwammen und die Enten ihre Köpfe zum schlafen in ihr Gefieder kuschelten. Er legte auch hier einen Edelstein hin, in Erinnerung an diese schöne Natur.
Er ging weiter Richtung Dom und war schon fast ohne Hoffnung, den großen Roland noch zu finden. Auch am Dom fand er keine Spur von ihm. An einer Pumpe in der Nähe des Dorns konnte er wieder etwas trinken und er legte auch hier einen Edelstein ab.
Als er über eine Treppe stolperte, verlor er wieder einen Edelstein und stellte nach einer Weile fest, dass er nur noch 2 seiner Wegmarkierungen übrig hatte und den großen Roland noch immer nicht gefunden hatte.
Der Mut hatte ihn schon fast ganz verlassen, da schleppte er sich weiter zur nächsten Kirche, bei der er den großen Roland vermutete. Aber auch hier war sein Helfer nicht zu sehen. Erschöpft ließ er sich nieder und begann zu weinen. Wie sollte er seiner Familie und seinem Volk nur helfen? Er konnte den großen Roland einfach nicht finden.
Plötzlich hörte er ein kleines feines Stimmchen: "Warum weinst Du denn?", fragte es. Felix schaute auf und vor ihm saß ein kleines rotbraunes wuscheliges Eichhörnchen und schaute ihn mit großen Augen an.
"Ich weine, weil ich meinem Volk nicht helfen kann. Unsere Heimat wird immer kleiner, weil so viele Menschen ihr Zuhause in unserem Revier bauen und wir immer weiter fortgetrieben werden. Die Menschen haben aber so große Angst vor uns, sodass wir uns nicht verständigen können. Nun bin ich auf der Suche nach dem großen Roland, um ihn um Hilfe zu bitten, aber ich kann ihn einfach nicht finden.", schluchzte er.
"Ich weiß, wo der Roland ist", sagte das Eichhörnchen und Felix' Herz machte einen Freudensprung.
"Du bist gar nicht mehr so weit von ihm entfernt. Lauf ein Stück Richtung Stadtmitte zum großen Rathaus, da steht er und bewacht die Bewohner der Stadt".
Felix wollte sofort losflitzen, da drehte er sich noch einmal um und rief ganz außer sich vor Freude dem Eichhörnchen ein lautes "Daaaankeschööön!" zu und legte schnell noch einen seiner zwei letzten Edelsteine in das Gras.
Er lief so schnell er konnte und als er das große Rathaus sah, wurde er ganz aufgeregt. Er bog um die Ecke und da stand der Roland in seiner vollen Größe und bewachte die Stadt.
"Großer Roland!" rief Felix. "Ich habe so lange nach Dir gesucht, weil wir deine Hilfe brauchen."
"Kleiner Felix!", rief der Roland. 'Wie kann ich dir denn helfen?"
Felix erzählte ihm seine Geschichte und Roland versprach, ihm zu helfen.
"Ich will dafür sorgen, dass die Menschen keine Angst mehr vor euch haben und euren Wald und euch schützen und friedlich mit euch zusammen leben werden."
Felix kletterte auf Rolands Arm. Dann gab er ihm den letzten kleinen roten Edelstein in seine riesige Hand. Roland betrachtete den kleinen Stein, dann legte er ihn an den Brunnen zu seinen Füßen und wie durch Zauberhand verwandelte der Stein sich in eine kleine Waldmopsstatue, welche die Vorderpfötchen auf den Brunnen gestützt hatte und dem sprudelnden Wasser des Springbrunnens zusah. Roland setzte den kleinen Felix wieder auf den Boden und sagte: "Geh nach Haus zu deinen Lieben, kleiner Felix!"
Felix flitzte so schnell er konnte den langen Weg zurück und überall dort, wo er einen seiner roten Edelsteine abgelegt hatte, stand nun eine Waldmopsstatue. Felix hüpfte vor Freude und machte sich gar keine Gedanken darüber, ob ihn jemand sehen konnte, so glücklich war er. Als er an die Stelle kam, wo die Glitzersäule ihn so verzaubert hatte, stand dort ein Mann an Stelle der Zauberei und Felix war enttäuscht, er hätte das Funkeln so gern noch einmal gesehen. Der Mann beugte sich zu ihm herunter und Felix fasste all seinen Mut zusammen und ging vorsichtig zu ihm hin. Der Mann streichelte ihn zwischen seinem Geweih und Felix wurde ganz warm ums Herz. Er fühlte sich genauso geborgen, wie wenn sein Papa ihn abends im Bett streichelte.
"Ich bin Loriot, sagte der Mann und lächelte Felix an.
Felix lächelte zurück, verabschiedete sich mit einem kurzen "Wau" und flitzte weiter nach Hause.
 
Der große Roland aber erzählte den Stadtbewohnern die Geschichte der kleinen wilden Waldmöpse. Sogleich fasten sie sich ein Herz und wollten fortan diese seltenen Tierchen, die es nur in Brandenburg gab, beschützen und ihnen ein großes Revier überlassen
Der große Roland sorgte dafür, dass die Waldmöpse nie vergessen würden. An jeder Stelle, wo Felix einen kleinen roten Edelstein abgelegt hatte, war eine kleine Waldmopsstatue hingezaubert. Noch heute stehen die Waldmöpse auf dem Weg des kleinen Felix durch Brandenburg.
Und wenn ihr Lust habt, könnt ihr die kleinen Waldmöpse in Brandenburg suchen und auf Felix Weg den großen Roland finden.

Nele Spielmann (12 Jahre), Magnus-Hoffmann - Grundschule Kirchmöser

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Die kleine Wetterfee

Es war einmal eine kleine Fee die das Wetter bestimmte. Wenn es regnete war sie wütend, wenn die Sonne schien fröhlich und wenn sie traurig war dann schneite es.

Eines Tages kam die böse Wetterhexe. Sie wollte den ganzen Sonnenschein für sich. Sie ließ es die ganze Zeit regnen, auf 3 Städte, 3 Länder und 3 Kontinenten!
Da beschloss die kleine Wetterfee die Hexe in die Vergangenheit zu schicken. Und zwar ins Jahr 1700. Sie schwenkte ihren Zauberstab und 1 Sekunde später war die Wetterhexe weg.
Doch plötzlich sah die kleine Wetterfee eine schwebende Waschmaschine. Ihr blieb der Mund offen stehen und sagte nur: „Oh mein Gott!“. „ Was? Noch nie eine magische Waschmaschine gesehen?“ fragte die Waschmaschine. „Nein“ antwortete die Wetterfee.
Plötzlich sprang ein Hund mit Flügeln aus der Waschmaschine. „Hallo Tom.“ sagte die Waschmaschine. „Wuff!“ machte Tom. „Woher kommt er?“ fragte die kleine Wetterfee. “Aus der Schule für magische Tiere.“ antwortete die Waschmaschine.
„Waaaas?“ schrie die Wetterfee. „Warum schreist du so?“ fragte die Waschmaschine. „Weil der Wind so laut war.“ antwortete die Wetterfee. „Woher kommt ihr?“ fragte sie. „Ich habe einmal der bösen Wetterhexe gehört. Ich musste immer ihre ollen, stinkenden Sachen waschen. Der Hund hat sich bei mir verkrochen, als er gesehen hat, wie die Wetterhexe herumwütete. Aber dann war sie auf einmal weg.“ sagte die Waschmaschine.
„Das war ich. Ich habe sie ins Jahr 1770 geschickt.“ kicherte die Wetterfee. „Übrigens kann sie auch nicht mehr zurück.“ „Juhu! Sie kann nicht mehr zurück!“ jubelte die Waschmaschine.
Und ab sofort hatten Tom und die Waschmaschine, die übrigens Tim hieß, ein schönes Leben bei der Wetterfee. Und wenn er nicht gestorben ist, dann wäscht Tim heute noch die Kleider der Wetterfee.
Und Tom hatte ab sofort ein glückliches Leben.

von Janik Rückborn

 

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Der Jungfernsee

Es war einmal ein kleines Dörfchen mit einem versteckt gelegenen See . Auf dem Grunde des Sees lebte eine bildschöne, doch sehr einsame Seejungfrau. Schon seit hunderten von Jahren beschützte sie das Dorf vor Hochwasser, Überschwemmungen und Stürmen. Als Gegenleistung erwartete sie an jedem ersten Mond im neuen Jahr einen jungen Burschen aus dem Dorf, der ihr Gesellschaft leisten und sie eine Zeitlang unterhalten sollte . Am Ende eines jedem Jahres aber wurde ihr der Bursche langweilig und sie schickte ihn zurück an die Wasseroberfläche des Sees . Da aber keiner der Burschen schwimmen konnte , ertranken alle jämmerlich. So kam es, dass bald nicht mehr genügend junge Burschen im Dorf lebten, um die schweren Arbeiten zu erledigen. Auch den Mädchen fehlten ihre Freunde sehr.
Bald war es wieder so weit , dass die Meerjungfrau einen neuen Burschen einforderte . In diesem Jahr sollte es der Freund von Alisha werden, die darüber völlig verzweifelt war. Sie dachte Tag und Nacht darüber nach , wie sie Raphael denn retten könnte , aber ihr fiel nichts Hilfreiches ein. Doch schon in 7 Tagen und 7 Nächten sollte sie ihn für immer verlieren.
Eine sehr alte Frau aus dem Dorf erfuhr von ihrem Unglück und wollte ihr helfen.
„Hallo liebe Alisha, ich habe einen Rat für dich, wie du deinen Freund retten kannst , aber bist du wirklich mutig genug ,dich auch in gefährliche Situationen zu begeben ? „
„ Ja , ich werde alles tun , um Raphael zu retten“ , erwiderte Alisha.
Die alte Frau schickte Alisha zu der Zauberin Unura, die 2 Tagesmärsche entfernt in einem tiefdunklen Wald hauste.
Als sie das Hütte der Zauberin Unura endlich erblickt hatte, beschleunigte sie ihre Schritte , um so schnell wie möglich ihre
 
Frage stellen zu können. Doch als sie vor der Tür stand, musste sie all ihren Mut zusammennehmen, um zu klopfen. Plötzlich stand die Zauberin Unura vor ihr und guckte sie erwartungsvoll an, denn nicht sehr oft fanden Leute den Weg zu ihr.
99 Alisha ich weiß, warum du meine Hilfe benötigst, aber was bist du bereit, dafür zu tun?“ fragte Unura . „ Ich würde alles tun um Raphael zu befreien", erwiderte Alisha. Die Zauberin verlangte daraufhin Alishas Schönheit, die diese nur zurückerhalten könnte , wenn Raphael sie trotzdem lieben und heiraten würde.
Alisha willigte ein, denn sie war sich der Liebe von Raphael sehr sicher . „ Wenn dein Vertrauen in Raphael so stark ist, dann mache dich auf die Suche nach dem Meermann Aquarius , der schon lange nach einer hübschen Seejungfrau sucht ,um seine lange Einsamkeit zu beenden ."
Alisha machte sich auf den Weg zum Regenbogenmeer, wo Aquarius lebte.
Auf ihrem Weg kam sie an vielen großen und prächtigen Städten vorbei, wie sie noch keine erblickt hatte. Aber auch kleine Dörfer säumten ihren Weg.
Bald war sie am Regenbogenmeer angekommen.
Doch bevor sie durch das Portal zum Ufer des Meeres gelangen konnte, versperrte ihr ein zorniger Troll den Weg.
ee Wer wagt es, ohne meine Erlaubnis mein Reich zu betreten?" „Ich bin Alisha und habe den Wunsch, an das Ufer des Regenbogenmeeres zu treten, um mit dem Meermann Aquarius zu sprechen und meinen Freund Raphael zu retten."
„Dazu musst du aber zuerst mein Rätsel lösen, das noch nie jemand je zuvor geschafft hat. Aber beachte, wenn du es nicht in 3 Versuchen lösen kannst, wirst du für immer am Grunde des Meeres gefangen sein. Ist dir das dein Freund wirklich wert?"
„ Ja,ich werde Raphael retten!" „Also gut, das Rätsel lautet:
Ich habe nie gelebt und werde doch immer sein ,niemand hat mich je gesehen oder wird mich je sehen und doch bin ich das , worauf
 
alle vertrauen, die atmen und existieren. Was bin ich?"
95 Bist du vielleicht die Ordnung?" „Nein, das bin ich nicht." „Bist du ... die Reinheit ?" „Nein ,das bin ich auch nicht." Alisha wurde schon ganz bange, denn das war ihr letzter Versuch. „Oh ehm...ich glaube, ich habe es jetzt , bist du vielleicht der Morgen ?"
Da ertönte ein lauter Schrei und der Troll verschwand augenblicklich in der Erde und gab das Portal zum Ufer des Meeres frei.
Alisha lief, so schnell sie konnte, zum Ufer des Wassers, denn sie hafte ja nur noch 2 Monde Zeit und der Weg zurück dauerte schon einen ganzen Mond. Als sie am Ufer stand, schrie sie laut seinen Namen. „Aquarius ! , bist du da ?"
Plötzlich kam eine große Welle auf sie zu, auf der der Meermann schwamm.
Als er das Ufer erreicht hatte und den Boden des Ufers berührte, verwandelte sich seine Schwanzflosse augenblicklich in Beine und er stand vor ihr.
„Was willst du von mir, wenn du meinen Namen rufst?"
„Ich bin Alisha und ich möchte dich um etwas bitten, denn ich habe gehört ... Und so erzählte Alischa ihre ganze Geschichte und warum sie zu ihm gekommen war. Nachdem sie fertig erzählt hatte ,war es schon Abend geworden und der vorletzte Mond stand am Himmel.
„Also, wirst du nun mit mir kommen , um die bildschöne Seejungfrau kennen zu lernen ? Damit würdest du mir und meinen Dorf helfen, denn niemand müsste mehr geopfert werden ." Aquarius nickte und machte sich mit Alisha auf den Weg zu ihrem Dorf. Sie liefen eine Nacht und einen Tag. Das Dorf versammelte sich gerade vor dem Rathaus, um Raphael zu der Seejungfrau zu schicken. „Halt !!!" Alishas Stimme hallte durch das Dorf und zog alle Blicke auf sich. Doch die Leute erstarrten, als sie Alisha sahen, denn sie hatte ja ihre Schönheit an Unura verliehen.
„Ich habe einen Meermann mitgebracht, der für immer bei der
 
Seejungfrau leben möchte, sodass keiner je mehr geopfert werden muss. Alle brachen in einen lauten Jubel aus und Aquarius schwamm zu der Seejungfrau, die ihm sichtlich gefiel. Raphael fiel Alisha in die Arme und bemerkte gar nicht, dass sie so anders aussah. Er war einfach nur glücklich, sie wiederzuhaben. Augenblicklich erhielt Alisha ihre Schönheit zurück und wurde mit Raphael glücklich bis an ihr Lebensende.
Und wenn sie nicht gestorben sind ‚dann leben sie noch heute.
 
Louisa Feuerherdt, 12 Jahre

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Das Lied des Frühlings

Es war einmal vor langer Zeit ein gewaltiger Ozean. Inmitten dieses endlosen Ungetüms befand 'sich eine kleine Insel voller Herzensgüte und Wärme.
Doch wo Licht ist, dort ist auch Dunkelheit; ein immerwährender Kampf, ohne Aussicht auf einen Sieg. In dieser Welt lauerte die Kälte in allen Nischen, steht's darauf wartend, sich unbemerkt in die Herzen der Bewohner einzuschleichen. Nach Jahrhunderten waren die Menschen unvorsichtig geworden und die finsteren Mächte erstärkten. Ganze Welten versanken in einem unvergänglichen Winter. Nur jemand, mit einem Herzen gefüllt mit Licht und Güte, konnte den eisigen Ozean bezwingen und der Welt den Frühling zurückbringen. Doch wer vermag wohl, ohne zu zögern, all diese großen Gefahren auf sich zu nehmen?
Das Mondlicht schien auf den uralten Lindenbaum. Die Blätter, so gewaltig, wie die ausgestreckte Hand eines Mannes, wirbelten sacht im Wind und sangen dein Mädchen eine sanfte Melodie. Das Mädchen saß hoch oben im Geäst der Linde und lauschte. Ein goldener Vogel landete auf seiner Schulter. An manchen Tagen hatte es das Gefühl, als wollten die Tiere und Pflanzen mit ihm sprechen. Heute war wieder so einer dieser seltenen Tage. Das Mädchen wusste, dass es nur genau hinhören müsse, um den kleinen Sänger zu verstehen. Der Wind kitzelte es sanft am Ohr.
Plötzlich erklangen Schritte und der Moment war vorüber. „Prinzessin, wo seid Ihr?", der besorgte Ruf zerriss den Faden der Magie und der Vogel flog davon. Selbst der Baum zuckte erschrocken unter den nackten Füßen des Mädchens zusammen. Die Rufe wurden lauter und das Mädchen sprang herunter. Es landete im weichen Gras direkt vor einer genervt dreinblickenden Frau: „Prinzessin Tilia, Euer Vater wartet bereits seit Stunden! Wie seht Ihr überhaupt aus?".
Prinzessin Tilia war barfuss und trug ein einfaches weißes Leinenkleid. Ihr langes feuerrotes • Haar wehte im Wind. Mit smaragdgrünen Augen blitzte sie die Frau herausfordernd an: „Ich verstehe nicht, was heute so besonders ist. Es ist doch nur mein sechzehnter Geburtstag. Jedes Jahr ist es dasselbe.". Die Frau blickte hastig von einer Ecke des Gartens zur anderen und sagte energisch: „Kommt bitte mit mir!". Tilia sah ein letztes Mal zum Mond hinauf und hoffte, er würde ihr beistehen, doch dieser lächelte nur entschuldigend. Sie folgte der Frau durch den prächtigen Torbogen hinaus und betrat unbeeindruckt das goldglänzende Schloss.
Mit einem leichten Rüschenkleid und kunstvoll frisiertem Haar betrat die Prinzessin den Ballsaal. Alle Blicke wandten sich ihr zu. Prinzessin Tilia war so schön wie eine Linde, die majestätisch ihre Blätter wirbeln lässt. Jeder Bewohner der Insel verehrte sie. Und dennoch fühlte Tilia sich unbehaglich, obgleich sie es niemandem zeigte, nicht einmal ihrem Vater. Der saß wie gewohnt auf seinem Thron. Lächelnd stand er auf, als er seine Tochter erblickte. Tilia zwang sich, ebenfalls zu lächeln. Ihr Vater liebte sie über alles und konnte es nicht ertragen, sie traurig zu sehen.
„Mein Kind, du wirst mit jedem Jahr schöner! Mit dir als Königin wird unserem Reich nichts geschehen.", der König lachte herzhaft Und kleine Grübchen kamen ih dem faltigen Gesicht

zum Vorschein. Sein schwarzes I-Iaar war mit grauen Strähnen durchzogen und die Augen glänzten müde. Er wurde alt.
Plötzlich wurde mit einem lauten Knall die Tür des Thronsaales aufgestoßen und eine alte Frau, gehüllt in einen schwarzen Umhang, trat ein. Ein Raunen ging durch den Saal und Tilia spürte die Kälte auf ihrer blassen Haut prickeln.
 
Mit donnernder, krächzender Stimme schrie die Alte: „Mein König, Ihr solltet Euch endlich meiner Worte erinnern, die ich vor genau 16 Jahren zu Eyuch sprach. Sie muss nun endlich ihr Schicksal erfüllen oder das gesamte Land wird untergehen!". Der König richtete sich auf: „Ich bin der König und ihr Vater. Ich weiß, was für das Reich am besten ist. Sie bleibt hier bei mir und wird Königin!".
Tilia sah ihren Vater verständnislos an. Sie hatte immer gedacht, es gäbe keine Geheimnisse zwischen ihnen. „Worum genau geht es hier, Vater?", die Smaragde in ihren Augen leuchteten eindringlich, „Was verheimlichst du mir?". Der König wich erschöpft ihrem Blick aus: „Wachen, bringt diese Frau weg!". Die königliche Garde führte die Alte nach draußen. Tilia nahm all ihren Mut zusammen und rief mit heller, klarer Stimme: „Halt! Lasst sie los!". Die Soldaten hielten verwirrt inne und Tilia trat zu der Frau. Ihr Gesicht war von Furchen übersät. „Sag Mir, was ist mein Schicksal?", Tilia kniete sich zur ihr herab und nahm ihre Hand. „Ich bin Wahrsagerin. Vor genau 16 Jahren bat Euer Vater mich, zu ihm ins Schloss zu kommen. Ich prophezeite Euer Schicksal.", die Alte hielt inne und betrachtete Tilia mit einem liebevollen Blick, „Ihr seid dazu bestimmt, diese Welt zu retten. Überquert den Ozean, besiegt die Quelle des Bösen und bringt der Welt den Frühling zurück!".
Der König schien sich wieder gefasst zu haben: „Das ist ausgeschlossen, Tilia wird
Königin!". Seine Augen reflektierten Angst und Sorge. „Mir passiert nichts, Vater. Wenn das mein. Schicksal ist, so werde ich es erfüllen!", Tilia zwang sich, zuversichtlich zu lächeln. Doch ein eisiger Windstoß zerzauste ihr Haar und sie erschrak. Diesen Wind kannte sie nicht, all die Wärme war verschwunden. Dunkelheit und eisige Kälte prägten seinen Charakter. Die alte Frau erhob ihre Hände und sah Tilia eindringlich an: „Schaut zum Himmel! Der Sturm ist erst der Anfang. Beeilt Euch Prinzessin, der ewige Winter naht! Segelt nach Norden, in das Reich des Kalten Magiers! Dort ist der Ursprung. Aber hört auf die Stimmen der Tiere. Sie werden Euch leiten!". Am Himmel brauten sich dunkelgraue Sturmwolken zusammen und die Menge schrie erschrocken auf. Der Wind gewann stetig an Kälte und Kraft.
Plötzlich trat ein junger Bursche vor und kniete nieder: „Hoheit, wenn Ihr erlaubt, dann werden meine Mannschaft und ich Euch nach Norden in das Reich des Kalten Magiers bringen. Es wäre uns eine Ehre!". Er blickte auf und Tilia sah in strahlend saphirblaue Augen. „Ich bin Kapitän Klde. Ich befehlige die Fortuna. Sie wird Euch wohlbehalten zu Eurem Ziel segeln.".
Am Tag der Abreise wirbelten bereits erste Schneeflocken durch die Luft und der Wind stach ihr in die Haut. Tilia hatte sich von der Linde und den Tieren verabschieden wollen, doch die Natur war wie erstarrt. Sie stand am Deck der Fortuna, die bereit war abzulegen. „Seid Ihr soweit, Prinzessin?", Kapitän Klde trat zu ihr an die Reling. Tilia nickte schwach. Ihr Vater war im Schloss zurückgeblieben. Er ertrug es nicht, sie fortgehen zu sehen.
Der Wind nahm zu und die Mannschaft setzte die Segel. Tilia wandte den Blick nicht vorn Palast ab. Gerade als dieser kaum noch zu erkennen war, sah sie eine kleine goldene Gestalt den eisigen Winden trotzen und auf sie zu fliegen. Geschickt fing sie den kleinen Vogel auf. Sein Gefieder hatte an Glanz verloren. Leise zwitscherte' er die ihr bekannte Melodie. In diesem Moment verstand Prinzessin Tilia seine Worte: „Still ist die Welt, kein Vöglein mehr singt. Nur der Puderschnee fällt, während mein Trauerlied klingt.". Der Vogel richtete sich auf und flog davon.
„Entschuldigt die Frage, aber was war das gerade?", Kapitän Klde war die Verwirrung deutlich anzusehen. Tilia erwiderte gedankenverloren: „Eine Botschaft, die ich niemals vergessen darf. Es ist die erste Strophe eines Liedes. Ich werde noch zwei andere zusammentragen müssen. Dieses Lied wird uns den Frühling bringen. Ich weiß es!". „Interessant.. .Es wird immer kälter, vielleicht bewahrt Euer kleines Liedchen die Fortuna ja auch davor, im Eis einzufrieren.", der Kapitän lächelte scherzhaft. Jede Art von Respekt schien ihm zu fehlen. „Hören Sie auf! Es gibt ganz sicher einen Grund!", Tilia fühlte sich mit einem Mal schrecklich allein. „Bitte entschuldigt.", Kapitän Kl& drehte sich um und ging davon. Er war kaum älter als Tilia, schien aber so erfahren wie ein Greis.
Die Zeit flog nur so davon. Nach sieben Tagen und sieben Nächten trat schließlich da S von allen gefürchtete Ereignis ein. Das Wasser begann zu gefrieren. Tilia stand am Bug, den Blick nach Norden gerichtet. Die Fortuna wehrte sich mit aller Kraft gegen die eisige Gewalt, doch der Kampf schien aussichtslos. Tilia knöpfte,ihren dicken Pelzmantel enger. Diese Kälte hatte die schreckliche Eigenschaft, sich tief in das Herz zu schleichen und nichts als Traurigkeit und Verzweiflung zu verbreiten.
„Spätestens am nächsten Morgen werden wir vollends feststecken.", erklärte Kapitän Klde gereizt. Die Mannschaft redete wild durcheinander. Tilia trat näher heran: „Und wenn wir auf dem Eis weiter laufen? Es kann nicht mehr weit bis zum Palast des Kalten Magiers seift". Sie erwartete eine Antwort, doch alle sahen betreten nach unten und schwiegen. Kapitän Kl6e erhob schließlich seine Stimme: „Das könnt Ihr nicht ernst meinen. Selbst wenn wir erfolgreich sind, wie wollt Ihr zurück? Und was noch viel wichtiger ist...", er machte eine kurze Pause und trat zu der Prinzessin. Der Kapitän war mehr als einen Kopf größer. Sie funkelten sich gegenseitig an, „An Bord ist das oberste Gesetz, niemanden zurückzulassen. Das gilt auch für die Fortuna.".
Tilia verstand ihn und kam sich ziemlich töricht vor: „Was schlagen Sie dann vor?". Kapitän Kl6e überlegte: „Wenn uns Euer Liedchen nicht helfen kann, werden wir das Eis mit Spaten und Speeren aufbrechen müssen, sobald die Fortuna beginnt festzufrieren.". Alle nickten.
„Still ist die Welt, kein Vöglein mehr singt. Nur der Puderschnee fällt, während mein Trauerlied klingt.", die Melodie ließ Prinzessin Tilia aus dem Schlaf schrecken. Ihr Herz schlug heftig, dennoch sie konnte nicht sagen, wovon sie geträumt hatte.
Tilia war auf einmal hellwach und beschloss, an Deck zu gehen. Die schwere Tür quietschte und sie befürchtete schon, jemanden geweckt zu haben. Doch es blieb alles ruhig.
Kapitän Kl& stand mit dem Rücken zu ihr und blickte hinauf zu den Sternen. Er sah so jung aus, fast wie ein Kind. „Was suchen Sie dort oben?", er hatte Tilia nicht bemerkt und zuckte zusammen. „Nichts, Hoheit. Wenn ich die Sterne betrachte, fühlt es sich an, als wäre mein Vater hier.", er hielt inne und Tilia begann ihren eigenen Vater schmerzlich zu vermissen, „Er ist tot. Verschöllen auf See, so heißt es jedenfalls.".
Tilia sah ihn direkt an: „Wieso helfen Sie mir eigentlich? Doch nicht etwa aus Edelmut?". Der Kapitän lachte bitter: „Nein, gewiss nicht. Alles was ich weiß ist, dass mein Vater nach Norden segelte, um der Dunkelheit ein Ende zu setzten. Das war vor 16 Jahren. Ich habe ihn verloren, aber die Hoffnung habe ich nie aufgegeben. Er war der beste Seemann. Der Ozean hätte ihn nie bezwungen...Also, Prinzessin Tilia, was wollt Ihr tun, wenn Ihr den Kalten Magier gefunden habt? Ihm ein Lied vorträllern? Davon kommt der Frühling auch nicht zurück.". Der Kapitän hatte nun die Frage gestellt, vor der sie sich so sehr fürchtete und sie hatte keine Antwort. Tilia sank der Mut.
„Aye, ich verstehe Prinzessin. Der Kalte Magier hat meinen Vater umgebracht und viele Welten vernichtet.", der Kapitän nahm das lange Schwert aus seiner Scheide, „Dies ist die Klinge Discordia. Neben der Fortuna ist sie alles, was mir mein Vater hinterlassen hat. Mit dieser Klinge werde ich ihn rächen und den Kalten Magier bestrafen!".
Tilia erschrak: „Ich weiß, Sie empfinden einen tiefen Schmerz. Aber bitte gläuben Sie mir; Rache bringt Ihren Vater nicht zurück. Im Gegenteil, sie nährt nur die Dunkelheit in Ihrem Herzen!".
Am Morgen des nächsten Tages erblickte Tilia unmittelbar neben der Fortuna eine riesige Gestalt. Die Prinzessin sprang über die Reling und landete auf dickem Packeis. Trotz der verzweifelten Bemühungen der Mannschaft war das Schiff eingefroren.
Auf dem Eis lag ein Wal. Sein Schicksal glich dem der Fortuna. Ein großes Auge sah Tilia traurig an. „Ist schon gut. Ich helfe dir!", sie sah sich verzweifelt um. Kapitän Kl.& kam direkt auf sie zu: „Was tut Ihr hier? Kommt zurück zur Fortuna.". Er hielt einen Spaten in der Hand, mit dem er unermüdlich versucht hatte, sein Schiff aus dem Eis zu befreien. „Helfen Sie mir, - der Wal wird sonst sterben!", Tilia entriss ihm den Spaten und versuchte, das Eis aufzubrechen. Doch jeder ihrer Schläge prallte an der dicken Eisdecke ab.
Tilia wurde schließlich sanft beiseite geschoben und der Kapitän nahm ihr den Spaten aus der Hand. Nach sieben kräftigen Schlägen war das Tier befreit. Zum Dank sang es im Takt der Wellen eine Melodie: "Ein Wunsch, der schon so lang verWeilt in meinem Herzen; der Traum von zarten Wesen auf einer bunten Blumenwiese, sie flattern so sanft im Hauch der warmen Frühlingsbrise, doch im Winter mich nur wärmt das Feuer der Kerzen!".
Der Wal tauchte unter und Tilia lachte vor Erleichterung, nun endlich auch die zweite Strophe des Liedes erfahren zu haben.
Doch die Freude währte nicht lang. Eine riesige Schneeeule stürzte plötzlich vom Himmel und krallte sich in Tilias Schultern. Die Prinzessin streckte verzweifelt den Arm nach Kapitän Klde aus und beide wurden in die Luft gehoben. .
Kurz darauf landeten sie weich in einem Nest auf der Spitze eines Gletschers. Die Schneeeule flog davon. „Das habt Ihr nun davon! Nur weil Ihr unbedingt dem Wal helfen musstet, sitzen wir hier fest.", Kapitän Kl.& war wütend und Tilia verzweifelt. „Ich wollte doch nur das Richtige tun. Wir werden die Fortuna sicher wiederfinden.", ihre Stimme brach. „Ja, wenn wir bis dahin nicht erfroren sind. Seht es ein, wir haben versagt. Es ist aussichtslos.", Kapitän Kl.& lachte verbittert.
„Es tut mir leid. Alles. Ich war zu naiv. Ich dachte, ich bin stark.", Tilia lehnte sich an die Wand des Gletschers. Diese war warm. Verblüfft untersuchte sie die Wand genauer. Der Kapitän bereute seine Worte bereits: „Ihr seid stark! Ich kenne niemanden, der so gutmütig ist wie Ihr. Ihr tut alles für Euer Königreich. Wie bewundernswert!". Er hielt inne. „Kapitän
ich...", begann Tilia aufgeregt, „Malus. Bitte nennt mich Malus: So nannte mich mein Vater.", er sah sie melancholisch an.
„Also, Malus, ich habe etwas Interessantes gefunden. Ich glaube, wir lehnen an einem Ei und es wird bald schlüpfen.". Malus verstand nicht. Tilia schüttelte energisch den Kopf: „Eier müssen ausgebrütet werden. Die Mutter ist fort. Es ist viel zu kalt, um das Ei ungeschützt zurückzulassen. Sie hielt uns sicher für dicken Pelz, deshalb hat sie uns hierher gebracht. Wir müssen es nur warm halten. Gib mir deinen Mantel, Malus!". Tilia hatte ihren bereits abgestreift und auf dem Ei ausgebreitet. Malus jedoch zögerte: „Seid Ihr sicher? Was wollt Ihr ohne Euren Mantel tun? Wir werden auch erfrieren.": Tilia allerdings hatte neue Hoffnung geschöpft: „Jede Tat wird sich auszahlen, die Guten und die Schlechten. Die Schneeeule wird uns nicht erfrieren lassen. Ich weiß, was ich tue!", sie lachte und da legte auch Malus seinen Mantel schützend über das Ei.
Plötzlich ertönte ein lautes Krächzen, direkt hinter ihnen. Sie fuhren herum und dort saß die Eule, so riesig wie eine Tanne. Malus richtete Discordia auf das Ungeheuer. Doch Tilia packte ihn am Arm und er ließ die Klinge sinken.
„Sie möchte, dass wir auf ihren Rücken klettern. Sie bringt uns in das Reich des Kalten Magiers.". Malus sah Tilia verständnislos an: „Woher wisst Ihr das?". Prinzessin Tilia saß bereits auf dem Rücken der Eule und bedeutete ihm, ihr zu folgen. Er tat es widerwillig. „Sie hat es mir gesagt. Wir haben schließlich ihr Küken gerettet".
Im Herzen des Nordens herrschte ein gewaltiger Schneesturm. Die Schneeeule setzte die beiden vorsichtig am Eingangstor des prächtigen Eispalastes ab. Sie verneigte sich tief, verriet Tilia die dritte und letzte Strophe und flog 'davon.
 
Malus stieß die schwere Tür auf und sie traten ein. Im Innern war es windstill, jedoch bitterkalt.
„Zeigt euch, Kalter Magier! Prinzessin Tilia ist gekommen, um Euch zu vernichten und um den Menschen den Frühling zurückzubringen!", Malus zog Discordia. Plötzlich erklang ein tiefes Knurren und kurz darauf sprang ein mannsgroßer Wolf auf sie zu. Drei andere folgten. „Lauft, Prinzessin! Ich halte sie auf.", Er schwang Discordia geschickt und es gelang ihm, einen Wolf zu besiegen. Nun setzten die drei anderen zum Sprung an. Tilia wandte sich ab und sprintete so schnell sie konnte, die kunstvoll verzierte Eistreppe hinauf.
Sie stieß eine Tür auf und mächtige Kälte schlug ihr entgegen. „Du bist meinen Soldaten entkommen. Was möchtest du von mir?", am anderen Ende des Saales stand ein Mann, groß, schlank und aufrecht, mit dem Rücken zu Tilia. In der Hand hielt er einen langen Stab aus Eis. Der Kalte Magier.
Tilia war zu überrascht und blieb stumm. Da drehte er sich um und sie sah sein Gesicht. Es schien makellos, obgleich er älter als ihr Vater war. Er sah aus, als wäre er schon vor langer Zeit erfroren, seine Augen waren aus Eis: „Was willst du?". Tilia hatte sich wieder gefangen: „Ich möchte, dass Ihr den Frühling zurückbringt! Mein Königreich droht im ewigen Winter zu versinken. Beendet ihn!".
Der Kalte Magier lachte schallend: „Wie bitte? Der ewige Winter entsteht, weil die Menschen immer boshafter und eigennütziger werden. Die Quelle sind also die Menschen selbst.". Tilia war sprachlos.
„Mein Kind, auch dieses Land war einmal fruchtbar und voller Leben. Ich habe alles in meiner Macht stehende getan, um den Winter aufzuhalten. Die Dunkelheit hat uns entstellt, uns zu Monstern gemacht.", eine Träne gefror auf seiner Wange. Tilia nahm tröstend seine Hand und nach einer Weile schmerzten ihr vor Kälte die Finger: „Ihr dürft nicht aufgeben, ich helfe Euch, den Winter zu bezwingen!".
Mit einem Ruck sprang die Tür auf und Malus purzelte herein, gefolgt von einem letzten Wolf. Als Malus den Kalten Magier erblickte, wurde er blind vor Wut: „Weg von ihr, Mörder!". Er riss Discordia hoch und stürzte sich auf den Mann, der ihn erschrocken ansah. Tilia warf sich Malus entgegen. Beide prallten gegen den Kalten Magier und stolperten zu Boden. Tilia kam als erste wieder zur Besinnung und sah sich um. Der Kalte Magier schien auf einmal viel menschlicher geworden zu sein. Seine Wangen waren etwas rosig und aus den Augen war jede Kälte gewichen. Der Stab lag am anderen Ende des Saals.
„Der Zauberstab. Die Quelle aller dunklen Mächte.", Tilia verstand, hob Discordia vom Boden auf und rannte los. Der Kalte Magier schrie verzweifelt, doch mit einem kräftigen Hieb war der Stab in zwei geteilt.
Stille. Die stechende Kälte war verschwunden, auch der Schneesturm hatte sich gelegt. Der Bann war gebrochen und dennoch kehrte der Frühling nicht zurück. „Was habt Ihr getan?", keuchte der Kalte Magier fassungslos. Tilia sah ihn erstaunt an; unter der eisigen Maske verbarg sich ein Mensch. Er zitterte vor Kälte und war alles andere als bedrohlich. Sein weißes Haar war grau geworden und seine Augen glänzten müde.
Malus richtete sich fassungslos auf: „Vater? Bist du es?", seine Stimme zitterte, „Ich dachte immer, der Kalte Magier hätte dich umgebracht.".
Der nunmehr alte Mann sah ihn traurig an: „Ach Malus, als ich damals fort ging, suchte ich nach einer Macht, den ewigen Winter aufzuhalten. Wie du siehst, habe ich eine gefunden. Allerdings musste ich erkennen, dass der Winter nur die Kälte in den Herzen der Menschen widerspiegelt. Die Dunkelheit durchdrang meinen Verstand und schuf den Kalten Magier.". Seine Geschichte berührte Tilia: „Wo Dunkelheit ist, dort ist auch Licht. Dieses Land ist noch nicht 'verloren, genauso wenig wie alle anderen Königreiche.". Malus nickte zustimmend. „Aber der Winter hat alles Leben erfrieren lassen!".
Tilia schüttelte den Kopf. Der Wind sang ihr die Melodie und die Strophen erklangen von ihm getragen, über den ganzen Ozean. Alle Welt konnte es hören:

Das Lied des Frühlings
Still ist die Welt, kein Vöglein mehr singt. Nur der Puderschnee fällt, während mein Trauerlied klingt.
Ein Wunsch, der schon so lang verweilt in meinem Herzen; der Traum von zarten Wesen auf einer bunten Blumenwiese, sie flattern so' sanft im Hauch der warmen Frühlingsbrise, doch im Winter mich nur wärmt das Feuer der Kerzen!
Meine fröhliche Welt liegt vor Mir versteckt, das kühle Weiß hat sie mit kalter Liebe bedeckt. Ein Kleid aus Schnee und Eis lässt die Natur selig träumen. Nur ein paar Ritter triumphieren, mit Herzen geprägt von Mut, zwischen der eisigen Gewalt mit tausend Seelen aus feuriger Glüt. Sie tanzen bis zum Frühling mit einem Atemzug eifüllt von Freuden.
Der Schnee schmolz. Zum Vorschein kamen wunderbar leuchtende Blumen und um Tilia herum flatterten prächtige Schmetterlinge. Das Eis brach und gab einen Teil des Ozeans wieder frei. Am fernen Horizont erkannte Malus ein Schiff. Die Fortuna hatte sie gefunden und segelte direkt auf die Küste zu...
Prinzessin Tilia und Malus Klde wurden in der Heimat feierlich empfangen. Der Frühling kehrte zurück und alles blühte so schön und lebendig wie nie zuvor. Nach einigen Jahren starb der König und die Prinzessin regierte an seiner Stelle. Königin Tilia war gerecht und führte ihr Königreich in eine neue Ära der Güte und des Lichts.
Doch sie sei gewarnt, denn wo Licht ist, dort ist auch Dunkelheit. Sie wird nie ganz aus den Herzen der Menschen verschwinden.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann blühen die Linden noch heute.
 

Sophia Rathgeber, 16 Jahre

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Mettigels Abenteuer in der Fleischtheke

Es war einmal ein kleines Mädchen, welches für ihr Leben gern Mett aß. Immer, wenn es mit ihrer Mutter einkaufen ging, freute sie sich besonders auf die Fleisch-und Wursttheke. Manchmal bekam sie ein Würstchen „zum gleich essen" über die Theke gereicht. Ihr Interesse galt aber immer dem Mett. Verschiedene Schalen standen dort. Und weil sie schon lesen konnte, kannte sie die Unterschiede. Als sie wieder einmal zusammen mit ihrer Mutter einkaufen ging, stand ein neuer Verkäufer hinter der Theke. Auf seinem Namensschild stand: „I Bims — Herr Mettmann" Das Mädchen war verwundert und der nette Verkäufer lächelte ihr geheimnisvoll zu. Ihr Blick fiel auf das Mett, welches heute mit 3 kleinen Mettigeln dekoriert war. Der kleinste Igel fiel ihr auf, weil er anstelle der winzigen braunen Augen kleine grüne blitzende Augen hatte. Sie nahm all ihren Mut zusammen und fragte, wie teuer dieser wäre. Darauf antwortete Herr Mettmann mit einer säuselnden Stimme: „Dieser ist leider unverkäuflich." Wie schade, dachte das Mädchen. Daraufhin kaufte die Mutter die anderen beiden Mettigel, weil sie sah, dass ihre Tochter sehr traurig war. Mitten in der Nacht rumpelte es laut im Kühlschrank, was allerdings nur die Tochter hörte. Sie nahm ihr Kuscheltier, eine ziemlich große Plüschtierschinkenkeule mit großen runden Salamiaugen, die sie vor kurzem bei der Tombola auf dem Schlachtfest als Hauptpreis gewann und tapste in ihrem Cheeseburgerschlafanzug in die Küche. Wenn sie sonst nachts die Treppe herunterschlich, waren ihre Eltern immer wach. Heute jedoch war aus dem Schlafzimmer nur ein gleichmäßiges Schnarchen zu hören. Sollte sie ihre Eltern wecken, überlegte sie. Nein. Sie tapste mutig weiter in Richtung Küche und erschrak fürchterlich, als sie mit ihren bloßen Füßen in eine fette Scheibe Sülze trat. Ein kalter Schauer durchzog sie und sie drückte noch fester ihre Plüschtierschinkenkeule an sich. Dann riss sie mutig die Kühlschranktür auf und zwei riesige Mettigel glotzten sie an. „Endlich kommst du", hörte sie den einen sagen. „Es ist so eng hier drinnen, dass wir uns kaum bewegen können." „Ihr könnt reden?" fragte das Mädchen noch ganz erschrocken. „Klar, was denkst du denn, jetzt aber los." „Was...wohin..."stotterte das Mädchen. „Raffst du gar nichts? "erwiderte einer der Mettigel. „Los, beiß mal erst mal ein bisschen von uns ab, damit wir uns wieder besser bewegen können." Das Mädchen gehorchte brav und biss vorsichtig in den einen Mettigel. Sofort schrumpfte er zu seiner normalen Größe. „Ich will auch" rief der andere ungeduldig. Und auch er schrumpfte daraufhin. Wir müssen schnell zur Fleischtheke um unseren Freund, den kleinen Mettigel, den mit den blitzenden Augen, zu retten." Das Mädchen nahm ein kleines Schälchen, legte eine Serviette, die mit einem Rezept für Soljanka bedruckt war, hinein und setzte vorsichtig die beiden Mettigel dorthin. „Ich nehme euch erst mal mit in mein Zimmer dann sehen wir weiter." flüsterte das Mädchen. Kaum lag sie im Bett, fielen ihr sogleich die Augen zu. Sie träumte wirrres Zeug. Plötzlich schreckte sie hoch. Das war die Idee. Am Morgen besprach sie ihren Plan mit den beiden Mettigeln. Zur Verwunderung ihrer Eltern stand sie heute besonders schnell auf, machte sich sogleich fertig, nahm die kleine Schale mit den Mettigeln und ihre Plüschtierschinkenkeule und begab sich schnurstracks zum Fleischer. Wieder stand Herr Mettmann hinter der Theke und schaute sie wieder geheimnisvoll an. Von Mettigeln war heute nichts zu sehen. Dort, wo gestern noch die Mettigel lagen, tummelten sich heute kleine dicke Mettschweine.
 
Das Mädchen sah sich alle genau an. Das kleinste hatte diese funkelnden Augen. Sie flüsterte: „Hab keine Angst". Und das Funkeln wurde ganz hell. Während sie heute lange überlegt, was sie denn kaufen will, drehte sich Herr Mettmann um, um ihr ein Würstchen „zum gleich essen" abzuschneiden. /n diesem Moment, legte sie die Schale mit den beiden Mettigeln auf den Boden. Die Mettigel krochen ganz unbemerkt raus und versteckten sich. Das Mädchen fing ein Gespräch mit dem Verkäufer an. Da weiter keine Kunden im Laden waren, ließ Herr Mattmann sich auf ein Gespräch ein. Das Mädchen wollte wissen, woher das Mett kommt und wie es verarbeitet wird, dass daraus so hübsche Tiere entstehen. Herr Mettmann kam mit seiner säuselnden Stimme ins Schwärmen und pries seine Mettschweinchen an. Als das Mädchen lächelte, rumpelte es plötzlich gewaltig im Kühlschrank. Als sich Herr Mettmann umdrehte und die Tür des Kühlschranks aufriss, erschrak er mächtig, denn riesige Mettigel glotzen in aus dem Kühlschrank an. Mittlerweile hatte sich das Mädchen hinter die Theke begeben und haute Herr Mettmann von hinten mit ihrer Plüschtierschinkenkeule eines über. Dann knabberte sie schnell an den beiden IVIettigeln, die plötzlich wieder klein wurden und steckte den völlig hilflosen Verkäufer in den Kühlschrank und machte die Tür fest zu. Die Mettigel setzte sie vorsichtig zu den Schweinen, von denen sich die Hälfte in kleine Mettigel verwandelten. Das  kleinste mit den blitzenden Augen flüsterte: „Vielen Dank, dass du uns gerettet hast. Es sollte nämlich nur noch Mettschweinchen geben." Voller Freude wurde hinter der Theke gefeiert. Man sah Eisbeine tanzen, Fleischklopse kegeln, Salamis wettrollen und sogar die ewig beleidigten Leberwürste lachen. Und wenn sie nicht gegessen wurden, so liegen sie noch heute in der Theke.

Vincent Bartolain

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Die Prinzessin mit der tödlichen Stimme

Es war einmal ein Drache mit Namen Dragomir. Dieser Drache lebte eingesperrt in einer Burg. Er wurde bewacht von einer schrecklichen Bestie. Einer Prinzessin, Viele Ritter, Prinzen und Edelmänner hatten schon versucht, den armen Dragomir zu retten. Doch alle scheiterten sie. Sobald sie an der Burg angelangten, stürzte sich die Prinzessin auf sie. Gab ihnen Küsse und zwängte sie in rosa Kleider. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, redete sie ununterbrochen mit einer dermaßen quietschigen Stimme, dass einem fast das Trommelfell platzte.
Eines Tages kam ein junger Mann in das Land des armen Dragomirs. Der Jüngling hörte auf den Namen Ludwig. Als er so durch das Land ritt, sah er die Burg, in der die Prinzessin Dragomir bewachte. Kurz darauf kam er in einem Dorf in einer Kneipe unter. Dort fragte er den Wirt:„Hey Wirt, was ist das für eine Burg unweit von hier?" „Habt Ihr denn noch nicht davon gehört?" fragte der Wirt erstaunt:„Dort wird Dragomir festgehalten. König Max sperrt ihn einst dort ein, weil er aus Versehen sein Lieblingsschaf anzündete. Das Schaf bekam aber nur ein paar Brandflecken ab." „Warum befreit ihr ihn nicht einfach? König Max lebt doch schon lange nicht mehr." sagte Ludwig verwirrt. „Du musst wissen, Dragomir wird von einer Prinzessin bewacht und die will ihn nicht raus lassen." sagte der Wirt schlicht. „Der Arme!" meinte Ludwig und er fasste einen Entschluss. „Ich werde Dragomir retten!" Der Wirt zuckte zusammen. „Das wäre töricht." rief der Wirt:„Du bist viel zu jung, um dein Leben zu verschwenden!" „Ich habe nicht vor, mein Leben zu verschwenden." sagte Ludwig kühn:„Bei Morgengrauen reite ich los!"
Gesagt, getan. Und während die Sonne aufging, ritt er der schrecklichen Burg entgegen. Als die Sonne schon hoch am Himmel stand, war er endlich angekommen. Die Burg sah alt, aber dennoch majestätisch aus. Ludwig ritt einmal um die Burg herum. Sie hatte nur einen Eingang, der nur über den Burggraben erreichbar war. Die Zugbrücke war herunter gelassen, aber das Burgtor verschlossen. Ludwig band sein Pferd fest, dann schlich er leise zum Tor. Auch wenn er dachte, das das nicht nötig wäre, weil er glaubte, dass sie durch ihre eigene Stimme schon taub sein müsste (der Wirt hatte ihm erzählt, wie schrecklich sie war). Er spähte vorsichtig durch einen Riss in der Mauer. Was er sah, traumatisierte ihn. Der gesamte Innenhof war mit rosa Schleifchen, pinken Herzen und Postern der angesagtesten Boygroups zutapeziert. Ludwig, der eigentlich vor nichts Angst hatte, würde noch lange Albträume davon haben. Plötzlich kam ein Grauen in pink und rosa die Treppe hinunter„geschwebt„. Es war die Prinzessin. Gut gelaunt wie sie war, trällerte sie ein Lied und Ludwig verspürte den Drang, sich in den Burggraben zu stürzen. Doch er widerstand dem Drang. Er presste sich die Hände auf die Ohren und rannte, so schnell es schleichend ging, zurück zu seinem Pferd.
Von einem Baum aus beobachtete er die Burg. Ab und zu sah er die Prinzessin an einem Fenster vorbeitänzeln.
Er wartete bis Einbruch der Nacht. Vorsichtig lief er zur Burg. Aus seiner Tasche zog er ein langes Seil. Er nahm einen Stein, der sich aus der Mauer gelöst hatte. Er band das eine Ende des Seils an den Stein und warf ihn über die Mauer. Bei den ersten Versuchen fand der Stein keinen Halt. Erst beim vierten Versuch klappte es. Ludwig kletterte vorsichtig das Seil hinauf. Oben angelangt, schwang er sich über die Mauer. „Das wäre geschafft."sagte er zu sich selbst. Er hatte sich vorgenommen, die Burg zu erkunden, während die Prinzessin schläft. Vorsichtig trat er in den Innenhof. Er sah sich um. Vor sich sah er fünf Türen. Zwei der Türen führten in das Kellergeschoss. Vielleicht in die Küche oder in den Kerker. Die anderen drei Türen führten in den Hauptteil der Burg. Ludwig überlegte, welche Tür er zuerst nehmen sollte. Er entschied sich für eine der Kellertüren. Vielleicht wird Dragomir ja da unten festgehalten, dachte er. Doch die Tür führte in eine Küche. Die Küche war kalt und es gab nicht da sehr viel Essbares. Drei weitere Türen führten in angrenzende Räume. Die rechte Tür führte in eine ärmliche Speisekammer. Es gab nur Brot, ein wenig Wurst und Käse und die billigsten Cornflakes. Zum Trinken gab es nur Wasser. Das reicht ja kaum für die Prinzessin, überlegte Ludwig. Und dann noch für den Drachen? Fast hatte er ein bisschen Mitleid mit ihr. Er verließ die Speisekammer wieder und trat durch die nächste Tür. Im spärlichen Licht des Mondes sah er einen großen Waschraum. Dort stapelten sich etliche dreckige und saubere Kleider. Ein paar Waschzuber standen eingestaubt in der Ecke. Als er wieder in der
 
Küche stand, musste er erst mal durchatmen. Gedanken wie: 'Sie wechselt ihr Kleid bestimmt sieben mal am Tag', oder auch:" Wie kann man nur einen so scheußlichen Geschmack haben' jagten durch seinen Kopf. Als er sich wieder beruhigt hatte, öffnete er die dritte Tür. Dahinter lag eine stockdunkle Treppe. Er zögerte kurz, dann stieg er die Treppe hinauf. Da er die Tür zur Küche hinter sich geschlossen hatte, war es so dunkel, das er nicht mal die Hand vor Augen sehen konnte. Die Treppe ging steil aufwärts und Ludwig stolperte immer wieder über die Stufen. Plötzlich stand er vor einer zweiten Tür. Fast wäre er dagegen gelaufen. Als er sie aufdrückte, fiel auf der anderen Seite etwas laut scheppernd um. Bei diesem Lärm sprang Ludwig vor Schreck zurück. Er stolperte und stürzte die Treppe hinunter. Mit einem dumpfen Laut gelangte er unten an. Er fluchte leise und rieb sich die schmerzenden Knochen. Dann lauschte er. Es war still. Er wollte schon erleichtert aufatmen, da hörte er irgendwo über sich eine leise quietschende Tür. Ein kalter Schauer lief ihm den Rücken runter. Die Prinzessin war wach!
Ludwig stand da wie fest gefroren. Seine Gedanken rasten. Wo sollte er hin? Sollte er die Burg verlassen? Könnte er die Prinzessin überwältigen? Plötzlich hörte er ein leises Tappen. Er hatte nicht mehr viel Zeit. Lautlos schlich er aus der Küche. Die Tür ließ er offen. Dann schlüpfte er durch die Tür, die ihm am nächsten war. Es war die zweite Kellertür. Als Ludwig hindurch war, schlug ihm ein modrig feuchter Geruch entgegen. Doch er blieb nicht stehen. Geräuschlos rannte er durch ein Gewirr von Gängen. Es war eindeutig der Kerker. Nachdem er eine Weile durch die dunklen Gänge gestolpert war, blieb er schnaufend stehen. Als sich seine Atmung wieder beruhigt hatte, lauschte er. Erst hörte er gar nichts, doch dann nahm er ein tiefes gleichmäßiges Atmen wahr. Das hörte sich nicht nach der Prinzessin an. Langsam ging er darauf zu. Er bog in einen Gang. Aus einer der Zellen drang ein schwacher Lichtschein. Er trat an die Zelle. Eigentlich war es eine Doppelzelle. Da, wo die Trennwand hätte sein müssen, klaffte ein großes Loch.
Und da lag er. Dragomir, der Drache im Tiefschlaf. Er war mager und für einen Drachen und relativ klein, trotzdem füllte er fast die ganze Doppelzelle aus. Es gab ein winziges Fenster mit einem Gitter davor. Durch das Fenster fiel spärliches Mondlicht, das von den Schuppen des Drachens widergespiegelt wurde. Dadurch wurde die Zelle notdürftig beleuchtet. „Pst, Dragomir!" flüsterte Ludwig. Der Drache rührte sich nicht. Ludwig sah sich nach etwas um, mit dem er Dragomir anstupsen oder bewerfen könnte. Sein Blick blieb an ein paar Steinen hängen, die wahrscheinlich mal zur Trennmauer gehört hatten. Ludwig hob ein kleines Steinchen auf und warf es auf Dragomir. Es traf ihn mit einem dumpfen „Platsch" am Bauch. Der Drache zuckte zusammen. Offensichtlich war er nicht erfreut darüber, geweckt zu werden. Er blinzelte sich den Schlaf aus den Augen und blickte Ludwig verwirrt an. „Wer bist du?" fragte er leise. „Ich bin Ludwig und ich bin gekommen, um dich zu befreien!" antwortete Ludwig. „Es ist schon lange niemand mehr gekommen, um mich zu retten. Und selten sind sie so weit vorgedrungen wie du." sagte Dragomir anerkennend. Seine Stimme war rau und er hörte sich so an, als hätte er lange nicht mehr geredet. Ludwig inspizierte das Schloss und die Gitterstäbe der Zellentür. „Warum hast du das Gitter nicht einfach geschmolzen?" erkundigte er sich. Dragomir seufzte, dann antwortete er:„Du musst wissen, dass jeder Drache eine goldene Schuppe, hat mit deren Hilfe man Feuer speien kann." Er deutete auf eine kahle Stelle an seiner Stirn die Ludwig noch gar nicht aufgefallen war. „Meine wurde mir genommen, als ich hier eingesperrt wurde." „Wer hat sie jetzt?" Dragomir überlegte. „Ich glaube, die Prinzessin." antwortete er schließlich. „Aber wo?" fragte Ludwig. Der Drache zuckte bloß mit seinen schuppigen Schultern. „Na toll! Eine Idee, wo ich mit der Suche anfangen könnte?" fragte Ludwig verzweifelt. „Ich würde in ihrem Schlafgemach anfangen." „Gute Idee. Ich werde mich beeilen." versprach Ludwig. „Danke und viel Glück!" sagte Dragomir, und Ludwig machte sich auf, zurück in die dunklen Gänge.Wie er so durch die Gänge irrte, verfluchte er in Gedanken den Architekten des Kerkers. Nach einer gefühlten Ewigkeit stand er endlich wieder vor der Tür, die hinaus in den Innenhof führte. Er legte ein Ohr an die Tür und lauschte, ob sich draußen etwas bewegte. Es war still. Vorsichtig drückte er die Tür einen Spalt breit auf und lugte hinaus. Der Mond war ein ganzes Stück gewandert. In ein paar Stunden würde die Sonne aufgehen. Aber noch war es dunkel.
 
Ludwig machte die Tür ein bisschen weiter auf und zwängte sich hindurch. Er sah sich um. Noch immer war alles ruhig. Drei Türen standen noch zur Auswahl. Er beschloss, sie der Reihe nach zu versuchen. Die erste Tür war ziemlich dick und öffnete sich mit leisem Knarzen. Schnell schlüpfte er hinein. Dahinter lag ein schmaler Gang. Hinter einer weiteren Tür lag ein großer Saal. Hier hatten einst Waffen gelagert, doch jetzt war er leer. Es gab keine weitere Tür, deshalb ging er wieder hinaus. Hinter der zweiten Tür befand sich ein Raum voller Tische, Kleidungsständer und Haken an der Wand. Überall lagen, standen oder hingen Rüstungsteile, Schilde, Taschen und noch vieles mehr. Voller Entsetzen stellte Ludwig fest, dass das Trophäen von Prinzen und Edelleute waren. Schnell zog er sich zurück. Draußen musste er erst einmal tief durchatmen. Er wollte sich gar nicht ausmalen, was mit ihm passierte, wenn die Prinzessin ihn erwischte.
Als er sich einigermaßen beruhigt hatte, machte er die letzte Tür auf. Vor ihm erhob sich eine Treppe. Schon wieder eine Treppe? Langsam hatte Ludwig echt genug von Treppen. Trotzdem stieg er sie hinauf. Oben angelangt, mündete die Treppe in einen kurzen Gang. Es gab zwei Türen. Eine am Ende des Ganges und eine auf der linken Seite. Die Tür an der Seite war nur angelehnt und davor lagen ein paar umgestürzte Eimer und ein Wischrnopp. Ludwig ging auf, das dies die Tür war, die hinunter in die Küche führte. Vorsichtig stieg er über die Eimer und ging zu der Tür am Ende es Ganges. Leise drückte er sie auf. Er fand sich in einem riesigen Saal wieder. Dem Thronsaal. An einem Ende des Saals standen auf einem Podest zwei goldene und ein silberner Thron. Die goldenen Throne standen etwas höher als der Silberne, wirkten aber irgendwie staubig. Der silberne Thron dagegen sah aus, als würde er regelmäßig benutzt werden. Daher vermutete Ludwig, dass dies der Thron der Prinzessin war. In der Mitte des Saals stand ein langer Tisch mit je einer langen Bank auf jeder Seite. Auf dem Tisch lagen mehrere Mädchen-Magazine, die Ludwig sich gar nicht genauer ansehen wollte. Die Wände wurden von Bannern mit dem Landeswappen geschmückt. Am anderen Ende des Saals gab es zwei Türen. Eine kleine Unscheinbare und eine große Pompöse. Die kleinere war für Dienstboten gedacht. Also die andere Tür, dachte Ludwig. Er durchquerte den Thronsaal und trat durch die Tür. Etwas zu laut für seinen Geschmack schloss sie sich wieder. Er atmete tief durch. Jetzt wurde es ernst. Leise schlich er durch die dunklen Gänge, in die nur ab und zu durch ein Fenster etwas Licht drang. Da die Burg ziemlich verstaubt war, fand er sich relativ leicht zurecht. Er folgte einfach den Gängen, die am wenigsten staubig waren. So gelangte er zu einer Tür, hinter der jemand laut schnarchte. Er hatte das Schlafgemach der Prinzessin gefunden.
Ludwig zögerte kurz, dann öffnete er die Tür in Zeitlupentempo. Ihm schlug ein ekelerregend süßer Duft entgegen. Er musste sich beherrschen, um nicht zu würgen. Vorsichtig betrat er das Zimmer und ließ die Tür hinter sich nur angelehnt. Das Schlafgemach war ziemlich unordentlich, Überall lagen Kleider, Zeitschriften und sonstiges herum. Ludwig musste quasi schweben, um nicht zu stolpern. An der Stirnseite des Raumes stand ein großes, babyrosanes Himmelbett. Kleine Fenster spendeten etwas Licht. Ludwig sah sich um. Keine Spur von der Schuppe. Vorsichtig und darauf bedacht, keinen Laut von sich zu geben, schlich er auf das Bett zu.
Da lag die Prinzessin selig vor sich hin schnarchend. Über den Augen trug sie die hässlichste Schlafbrille, die Ludwig je gesehen hatte. Dann fiel sein Blick auf etwas Anderes. Die Prinzessin trug eine goldene Kette und an der baumelte — die Schuppe!
Er musste an sich halten, um nicht erleichtert aufzuatmen. Er hatte die Schuppe gefunden! Doch die Euphorie hielt nicht lange. Es gab immer noch ein Problem. Wie sollte er an die Schuppe kommen? Ludwig nahm den Anhänger genauer in Augenschein. Die Schuppe war von einer goldenen Fassung umrahmt, die in einem Verschluss endete. Es war ein Verschluss zum öffnen. Mit angehaltenem Atem beugte er sich vorsichtig über die Prinzessin. Seine Hände zitterten, als er langsam den Verschluss öffnete. Die Prinzessin schlief einfach weiter. Vorsichtig richtete er sich auf.
Die Schuppe lag sicher in seiner Hand. Leise ging er rückwärts zurück zur Tür. Doch plötzlich rutschte er auf einem herumliegenden Kleid aus. Mit einem lauten Platsch fiel er zu Boden. Das Schnarchen hörte sofort auf, und die Prinzessin setzte sich in ihrem Bett auf. Für einen kurzen Moment war Ludwig wie erstarrt. Die Prinzessin und er starrten sich an. Doch dann kam wieder Leben in ihn. Er sprang auf und rannte aus dem Zimmer. Er hörte, wie die Prinzessin sich aus dem
 
Bett kämpfte und ihm hinterher setzte. „Bleib stehen!" schrie sie. Doch Ludwig rannte weiter. Als er den Thronsaal erreichte, rannte er direkt weiter zu der Tür, aus der er vorhin gekommen war. Er öffnete sie und machte sich nicht die Mühe, sie hinter sich zu schließen. Er sprang über die Eimer. Im Schwung schnappte er sich den Wischmopp und jagte weiter die Treppe hinunter. Er hörte das Schnaufen der Prinzessin hinter sich. Das spornte ihn noch mehr an. Auch im Innenhof machte er nicht Halt. Er rannte zur Kerkertür und stieß sie auf Als die Prinzessin den Innenhof erreichte, war Ludwig schon in den Kellergängen verschwunden. Er folgte seinem Gefühl, und tatsächlich erreichte er kurz darauf den Gang, in der Dragomirs Zelle lag. Schlitternd kam er vor der Zellentür zum Stehen. „Hast du sie?" fragte Dragomir aufgeregt. „Ja." brachte Ludwig japsend heraus. Dragomir neigte den Kopf, damit Ludwig die Schuppe anbringen konnte. Kaum war sie an ihrem Platz, da kam auch schon die Prinzessin um die Ecke. „Beeil dich!" rief Ludwig Dragomir zu und ging außer Reichweite seiner Flammen.
Drohend hob er den Wischmopp, als die Prinzessin einen Schritt auf ihn zumachte. Sie wich wieder zurück. „Ihr werdet mir nicht entkommen!" schrie sie. Sie hatte wirklich eine furchtbare Stimme. Hinter sich hörte er ein Scheppern. Er musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass der erste Gitterstab weg war. Die Prinzessin tigerte hin und her und schien nicht recht zu wissen, was sie tun sollte. Sie trat immer wieder einen Schritt vor, doch wenn Ludwig mit dem Wischmopp nach ihr stieß, sprang sie wieder zurück. Nach einer halben Ewigkeit waren auch Gitterstab zwei und drei weg. Nur noch einer dann, wäre Dragomir frei!
Plötzlich ging ein Funkeln durch die Augen der Prinzessin und Ludwig wurde heiß und kalt. Die Prinzessin holte tief Luft - und fing an zu singen.
Ludwig hatte das Gefühl, als ob sein Trommelfell reißt. Am liebsten hätte er sich die Hände auf die Ohren gepresst, doch er wollte den Wischmopp nicht fallen lassen. Moment mal... der Wischmopp! Er hatte eine Idee. „Dragomir, mach weiter!" schrie er dem Drachen zu, der vor Schreck aufgehört hatte das Gitter zu schmelzen und nun weiter machte. Ludwig musste sich beeilen, denn lange würden seine Ohren den Gesang der Prinzessin nicht mehr aushalten. Er sprang vor und stopfte der überraschten Prinzessin den Wischmopp in den Mund. Endlich Stille! Und genau im richtigen Augenblick hatte Dragomir den letzten Gitterstab geschmolzen. Er sprang aus seiner Zelle und Ludwig schwang sich auf seinen Rücken. Doch bevor sie entkommen konnten, klammerte sich die Prinzessin an Dragomirs Schwanz und wurde mit in die dunklen Gänge gezogen.
So schnell er konnte, rannte Dragomir durch die Gänge und hoffte, dass die Prinzessin einfach losließ. Doch leider tat sie das nicht, und so erreichten sie die Kerkertür samt Prinzessin. Dragomir rannte glatt durch die Tür. Als sie endlich draußen waren, atmete er tief ein und erhob sich in die Lüfte und kreiste über der Burg. „Ludwig, halt dich gut fest!" rief er nach hinten zu seinem Begleiter. Und dann flog er einen großen Looping. Er hörte wie die Prinzessin schrie und kurz darauf ein Platschen im Burggraben. „Wir haben es geschafft!" rief Ludwig ausgelassen. Sie flogen zu dem Dorf, in dem Ludwigs Abenteuer begonnen hatte.Und während die Sonne aufging erzählten sie ihr Abenteuer vor den versammelten Dorfbewohnern.
Ludwig wurde ein angesehener Mann und hatte immer einen Wischmopp zuhause.
Dragomir genoss seine Freiheit und gutes gssen -alles von Rind bis Schwein Und Hühnchen, sogar P, Gemüse - aber nie wieder Schaf.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
 
Johanna Zahl, 12 Jahre

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Prinzessin Tränenlos

Es war einmal eine Prinzessin, die von jeder Seele ihres Volkes geliebt wurde. Sie war
ehrlich und hatte stets ein offenes Ohr für die Belange der Menschen. Die Prinzessin lachte und weinte mit ihnen, war für ein jeden da, der Hilfe benötigte. Manch einer kam zu dem Entschluss, dass sie mehr Zeit im Dorf zu Fuße ihres Schlosses spendete als Daheim. Dies mag die Wahrheit sein, denn die Prinzessin verbrachte jeden Tag damit, zu helfen. Das Volk liebte sie für ihre Ehrlichkeit. Wenn sie traurig war, weinte sie bittere Tränen. Lachte sie, dann so hell, dass selbst die Sonne vor ihr zu salutieren schien. Die Prinzessin mimte keine andere Person, sie war sie selber. Gelleitet von ihren Gefühlen wie jeder Mensch des Königreiches. So zeigte sie, dass sie nicht besser war ihr Volk. Sie war Teil von ihm.
Eines Tages, als die Sonne hoch im Himmel stand und ihre Strahlen auf den Dachziegeln des Schlosses spielen ließ, erblickte ein winziges Mädchen das Licht der Welt. Die zweite Tochter des Königspaares, die Schwester der Prinzessin. Sie schenkte dem Mädchen ihr ganzen Herz und versprach sich selber, ihr all das Schöne dieser Welt zu zeigen. Doch bevor die Prinzessin dieses Versprechen halten konnte, wurde ihre Schwester schwer krank. Nacht um Nacht wachte sie am Bett des Kindes, auf ein Zeichen der Genesung hoffend, das auch nach unzähligen Gebeten ausblieb. An einem Tag, als es ihrer Schwester so schlecht ging, dass die Doktoren des Hofes dachten, es würde mit ihr zu Ende gehen, streifte die Prinzessin ruhelos durch das Schloss. Sie war schon lange nicht mehr draußen gewesen, fristete ein jeden Tag hinter den Mauern ihres Heimes, um für ihre Schwester da zu sein. Wie oft sie in dieser Zeit geweint hat, wusste sie nicht, als sie sich eine weitere bittere Träne aus dem Gesicht strich. Sie betete, ihr würde eine Möglichkeit einfallen, mit der ihre Schwester bald genesen möge. Ob es einer höheren Macht oder einem Zufall geschuldet war, dass eine Magd gerade in diesem Moment an ihr vorbeigehen wollte, vermochte die Prinzessin nicht sagen. Diese Magd jedoch war es, die das Wunder, das sich die Prinzessin so sehr wünschte, greifbar erschienen ließ.
„Meine liebe Prinzessin", sprach sie mit leiser Stimme, als könne sie jemand belauschen. „Wenn du dir wirklich wünschst, das Leben deiner Schwester zu retten, bist du gewiss bereit, ein Opfer zu bringen, richtig?" Bedenkenlos stimmte die Prinzessin zu. Sie würde alles tun, um ihre Schwester vor dem Tod zu retten. So hörte sie den Erzählungen der alten Dame zu, über eine gute Fee, die in den Tiefen eines entfernten Waldes leben sollte. Diese Fee, so die Magd, solle Wünschen erfüllen.
Von dem Ziel geleitet, das Leben ihrer Schwester zu retten, machte sich die Prinzessin zu Pferde auf den Weg, jene gute Fee zu finden. Sie ritt Tag um Tag, folgte dem Mond, der ihr den Weg durch die dunkelsten Pfade des Landes zeigte, sie mit seinem seichten Licht führte, und schützte. Nachts fühlte sie sich behütet und sicher, niemand strafte ihre Erscheinung mit einem argwöhnischen Blick, es gab nur sie auf ihrem Pferd, an ihrer Spitze das Licht des Mondes, der ihr das Gefühl schenkte, dass alles gut werden würde. Denn jedes Mal, wenn
sie ihren Blick empor hob, meinte sie das Gesicht ihrer Schwester in dem Mond zu erkennen, das ihr Mut zusprach. So schaffte es die Prinzessin trotz aufgezehrter Kraft, den Wald aufzuspüren und ihn zu durchqueren, bis ihr Weg in eine seichte Quelle mündete. Auch wenn ihre Augen von dem langen Ritt und dem wenigen Schlaf müde und schwer waren, entschied sie sich gegen eine Pause und suchte alles nach der guten Fee ab.
Nach kurzer Zeit wurde die Prinzessin tatsächlich fündig. Die gute Fee war winzig, passte in ihre geöffnete Hand, war deswegen aber nicht minder schön. In goldenen Locken fiel ihr das Haar über die Hüfte, ihr Kleid glitzerte silbern wie der Mond und ihre Augen leuchteten wie Sterne.
„Sag', mein Kind", begann sie zu sprechen. „Was ist es, wonach du dich sehnst?"
So trug es sich zu, dass die Prinzessin unter Tränen ihr Herz ausschüttelte. Sie erzählte von ihrer Schwester, die sie so liebte und so krank war, dass sie bald der Tod holen würde und davon, dass sie Seit unzähligen Wochen nicht mehr mit ihrem Volke sprechen konnte.
„Beruhige dich doch", sprach die Fee sanft. Sie hob die Arme und fing eine Träne der Prinzessin auf. Diese fragte sich, wie das denn möglich sei, sagte es aber nicht, da die Fee schon weitersprach. „Mein liebes Kind, es gibt einen Weg, das Leben deiner Schwester zu retten. Allerdings erfordert das etwas von dir."
Die Prinzessin bejahte sofort. „Ich werde alles tun, was es bedarf, meine Schwester vor dem Tod zu bewahren."
Die gute Fee spürte die aufrichtigen Gefühle der Prinzessin und ließ die gefangene Träne in ihren Händen tanzen. „Gibst du deine Tränen auf, Prinzessin?"
Verwundert über eine solche Bedingung zögerte die Prinzessin. Sie hätte die Fee mit Gold belohnen können, hätte ihr Leben gegeben. Welch' einen Grund mochte es wohl haben, dass sie ihre Tränen aufgeben sollte? Doch stimmte sie in die Vereinbarung ein, denn es schien ein geringes Opfer für das Leben ihrer Schwester zu sein. Die Träne in der Hand der guten Fee wurde von ihrem leuchtenden Zauberstab verzehrt. Im nächsten Moment war das Gesicht der Prinzessin gänzlich trocken, jede Träne versiegt. Nachdem sie sich aus vollem Herzen für die Hilfe der guten Fee bedankt hatte, saß sie wieder auf ihrem treuen Pferd auf und machte sich auf, nach Hause zurückzukehren.
Die Prinzessin hätte von der Erfüllung ihres Wunsches beflügelt sein sollen, aber dem war nicht so. Der Pfad in ihre Heimat schien beschwerlicher als der Hinweg, der Mond versteckte sich hinter dicken, grauen Wolken, als fürchtete er sich davor, die Prinzessin ansehen zu müssen.
Trotz aller Schwierigkeiten schaffte es die Prinzessin nach einer Zeit, die sich wie eine Ewigkeit anfühlte, das Schloss ihrer Eltern zu erreichen. Dort erfuhr sie, dass ihre Schwester geheilt wurde. Die Prinzessin war so glücklich darüber, dass sie vor Erleichterung in sich zusammenbrach und erst am nächsten Tag wieder erwachte. Ihre Schwester saß am Fuße ihres Bettes schlief dort fest. So viel Glück hatte die Prinzessin ihren Lebtag noch nicht gespürt und trotzdem wusste eine Stimme in den hintersten Winkeln ihrer Gedanken, dass etwas fehlte.

Die Jahre zogen ins Land und zeichneten aus dem einst so zerbrechlichen Kind ein
wunderschönes kleines Mädchen, mit Locken, so rot wie die Abendsonne und Augen, die wie Smaragde funkelten. Sie sah ihrer Schwester zum Verwechseln ähnlich, doch war ihr Gesicht so viel ehrlicher. Wie ihre Schwester zuvor weinte und lachte die Kleine mit ihrem Volke, während sich die Prinzessin kaum noch aus ihrem Zimmer wagte. In den letzten Jahren ereigneten sich viele Unglücke, doch wegen keinem konnte sie eine Träne lassen. Nicht einmal, als ihr geliebter Großvater verstarb oder das kleine Mädchen aus dem Dorf, das sie aufwachsen so, erblindete. Statt ihre tiefe Trauer in Tränen herausfließen zu lassen, musste die Prinzessin all ihren Kummer in sich verschließen. Sie wusste, dass man sie im Geheimen „Prinzessin Tränenlos" nannte, dass sie als herzlos galt, denn mit ihren Tränen verblasste auch irgendwann ihr Lächeln. Ihre angestaute Trauer hatte ihr Lachen verschluckt. Nichts war mehr von der ehrlichen, geliebten Prinzessin geblieben. Seit sie nicht mehr mit ihrem Volke lachen und weinen konnte, verschloss sie sich immer weiter vor sich selber und fing an, sich selber nicht mehr zu lieben. Vielleicht war dies das Opfer, mit dem sie das Leben ihrer Schwester zu zahlen hatte.
Doch bereute sie kein einziges Mal, ihre Tränen aufgegeben zu haben, denn ihr einziger Lichtblick war ihre Schwester, die sie Tag ein, Tag aus besuchte, um sie zum Lachen zu bringen, fest entschlossen, Prinzessin Tränenlos zu dem Menschen zu machen, der sie einmal war.
Doch all die Mühe des Mädchens schaffte es nicht, der Prinzessin ein Lächeln zu schenken. Sie hatte ihre Gefühle für das Leben ihrer Schwester gegeben, ohne dass diese etwas davon ahnte.
Eines Tages, als der Geburtstag des Mädchens so nah war, dass überall im Volke angeregt über die Feier gesprochen wurde, schlich sie alleine durch die Flure des Schlosses. Es
stimmte sie bittertraurig, dass Prinzessin Tränenlos an solch schönen Tagen ihr Lachen nicht finden konnte. Wie gerne hätte ihr das Mädchen ihr eigenes geschenkt. Sie hatte Angst, dass ihre Schwester irgendwann von all der Traurigkeit in endlose Dunkelheit gezogen werden würde. Deswegen suchte sie im ganzen Schloss nach jemandem, der ihr helfen konnte.
Die Magd, die vor Jahren schon vor Prinzessin Tränenlos von der guten Fee sprach, bemerkte die irrende Seele und fragte sie, was los sei. Die Kleine klagte über das Leid von Prinzessin Tränenlos und erzählte, dass sie ihr helfen wolle. Eine lange Zeit überlegte die Magd, ob sie dem Mädchen helfen sollte, wo es ihrer Schwester nach dem Besuch bei der Fee doch so schlecht erging. Als sie die Entschlossenheit in dem Blick des Kindes bemerkte, wusste sie jedoch, dass es keine andere Wahl gab. Die beiden Schwestern waren sich mit ihrer bedingungslosen Liebe zueinander sehr ähnlich, ohne es zu wissen. So erzählte sie auch der kleinen Prinzessin von der guten Fee und davon, wie gefährlich der Weg war und dass jeder Wunsch ein Opfer forderte. Die Kleine entschied sich, ihre Reise am nächsten Tag
anzutreten, da sie sich noch von ihrer Schwester verabschieden wollte.
Als sie in dieser Nacht jedoch in ihrem Bett lag, dachte sie an alles, was sie zurücklassen musste, an die Gefahren, die sich ihr boten und das Ende ihres jungen Lebens bedeuten konnte. So weinte sie bittere Tränen aus Angst vor dieser Reise, doch Träne um Träne wurde sie sich sicherer, dass sie ihrer Schwester helfen musste.
Irgendwann, als der Mond schon fast nicht mehr zu sehen war, hatte sich das Mädchen in den Schlaf geweint. In diesem verweilte sie aber nicht lange, denn helles Licht weckte sie aus einem trostlosen Traum. Eine winzige Frau mit Locken wie die Sonne und einem silbrigen Kleid schwebte über ihr. Das Mädchen erkannte sie sofort. Zwar wusste sie nicht, warum sie zu ihr gekommen war, aber sie war glücklich, dass sie vor Freude zu Weinen anfing.
„Ach gute Fee", sprach sie leise, um niemanden zu wecken. „Bitte gebe meiner Schwester ihre Tränen und ihr Lachen zurück, dafür werde ich alles tun."
Die Fee setzte sich auf der ausgestreckten Hand des Mädchens nieder. „Weshalb willst du, dass deine Schwester wieder weinen kann?"
„Weil Tränen all die schlimmen Gefühle herauswaschen", begann die Kleine. „Wenn du traurig bist, kannst du weinen, um dich zu erleichtern. Wenn du weinst, kannst du ehrlich sein. Meine Schwester wurde über Jahre dafür geliebt, dass sie jedes Gefühl ehrlich gezeigt hat, auch Traurigkeit. Denn Traurigkeit ist wichtig, sie existiert nur neben dem Glück. Sie hat auch ihr Lächeln gegeben, ihre Ehrlichkeit. Ein jeder im Volke zweifelt an ihrer Aufrichtigkeit, also bitte ich dich, gute Fee, erfülle mir diesen Wunsch." Die Kleine weinte so bitterlich, das sie sich über die Augen wischen musste, um etwas sehen zu können. Die Fee sah ruhig zu ihr hoch, als sie sprach. „Was bist du bereit, zu geben?"
„Nehme mir alles, aber nicht meine Tränen, denn ich will mit meiner Schwester lachen und weinen können und es niemals missen."
„Du hast ein reines Herz", sprach die gute Fee und hob ihren Zauberstab. „Ich hätte deiner Schwester niemals ihre Tränen nehmen dürfen." Sie schwang den Stab in ihrer Hand und erzeugte ein Licht, das so hell war, dass die Kleine ihre Augen schließen musste. Als sie wieder sehen konnte, war die Fee verschwunden, nur noch ihre Stimme wehte durch ihr Zimmer. „Ich nehme deine Aufrichtigkeit als Geschenk an, nimm du bitte meines." Die Schwester der Prinzessin Tränenlos rieb sich die Augen, als wäre es ein Traum. Als sie jedoch nicht erwachte, sprang sie auch und rannte so schnell sie ihre Kinderbeine tragen konnte, in das Zimmer von Prinzessin Tränenlos.
„Wach auf, Schwester, wach aufn rief sie aufgebracht und sprang auf das große Bett. Die Prinzessin richtete sich auf und rieb sich die die Augen. Sie wollte wissen, was ihre Schwester um diese Stunde bei ihr machte, konnte aber kein Wort sagen, weil die Kleine ihr so fest gegen die Nase schlug, wie sie konnte. Mit einem Schrei presste sie sich die Hände auf den Rücken der Nase und wollte ihre Schwester erbost zur Rede stellen, als ihr Atem stockte. Eine Träne trübte ihre Sicht. Ungläubig fuhr sie sich über die Augen. Die Träne fühlte sich ungewohnt an. Wunderschön.
„Ich habe die gute Fee getroffen und sie angefleht, dir deine Tränen und dein Lachen zurückzugeben.", erzählte die Kleine und nahm ihre Schwester in den Arm. „Dann können wir nun für immer zusammen mit dem Volke und miteinander lachen." Die Kleine erzählte ihre Schwester auch, dass der Fee ihre aufrichtigen Worte Preis genug war, um ihren Herzenswunsch zu erfüllen. Die Prinzessin weinte ehrliche Tränen, als sie ihre Schwester an sich drückte und lachte dabei ein ehrliches Lachen. Sie war noch nie in ihrem Leben so glücklich gewesen und sie schwor sich, dieses Glück auf ewig aufzubewahren.
Am nächsten Tag besuchte sie das erste Mal seit Jahren wieder ihr Volk und weinte, als eine Mutter den Verlust ihres geliebten Sohnes betrauerte und lachte, als eine Bäuerin einer Geschichte über ihren Hund erzählte. Tag für Tag wuchs das Vertrauen des Volkes in die Prinzessin mehr, bis sie wieder so geliebt wurde wie Jahre zuvor. Zu Ehren der Geburt ihrer Schwester wurde ein riesiges Fest gefeiert, auf dem sie so viel lachte und ein wenig weinte, weil sie so glücklich war, dieses wunderbare Mädchen in ihrem Leben zu haben.
Jahre verstrichen und das Königreich erblühte unter der Hand einer neuer Herrschaft, die im Herzen wusste, wie wichtig es war, zu weinen und dass nichts kostbarer war als das Leben desjenigen, den man liebt. In all dieser Zeit nannte sie keine Seele mehr Prinzessin Tränenlos.
Und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie noch heute.
 

Alicia Corinna Katharina Angela Hellwig, 19 Jahre

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Die Prinzessin, der Prinz und die Suche nach den Regenbogenblumen

Es lebte einst ein König, namens Sulvatros, mit seinen drei wunderschönen Töchtern, Olana, Olivia und Olinia. Das Reich über welches er regierte, hieß das Reich des Glücks.
Die Untertanen waren sehr zufrieden mit ihrem König. Aber weil ihr Herrscher sich zu gut um sein Volk kümmerte, wurde es in der Staatskasse leider so knapp, dass er die Prinzessinnen vermählen musste.
Für die ersten beiden Töchter fand sich leicht ein geeigneter Edelmann. Die jüngste Tochter jedoch, hatte sehr genaue Vorstellungen von ihrem zukünftigen Ehemann. Sie wünschte: „Er sollte gut jagen können, nicht viel älter sein als ich und auch viel Zeit für mich haben. Sein Reichtum, ist mir aber eigentlich egal!"
Sulvatros zerbrach sich Tag und Nacht den Kopf darüber, wen seine Tochter heiraten könnte'. Ihm fiel kein Prinz im ganzen Land ein (und im Nachbarland kam er zum gleichen Ergebnis), der gut zu der Prinzessin passte.
Vom vielen Überlegen wurde er schwer krank.
Neben ständigem Schluckauf und dem Drang immer zu rülpsen, konnte er mit fortlaufender Erkrankung nur noch Bauchreden.
Die Weisen des Hofes brauchten lange für die Erkenntnis, dass ihn nur ein Trank aus dem Blütensaft der Regenbogenblumen heilen konnte. Niemand wusste allerdings, wo diese Blumen wuchsen.
Die Prinzessin sprach: ,Ich werde sie suchen und wenn ich dabei einen Prinzen finde, werde ich ihn auf der Stelle heiraten!" Mit diesen Worten stieg sie auf ihren stolzen Rappen.
Die Hexe Ruckholda verwettete einst ihr schönstes Einhorn aus Übermut an den König. Sie wusste selbst nicht mehr bei welcher Gelegenheit, glaubte aber, es hing mit dem Magic-Silverball-Match zusammen.
Das Team RSV Feentanz, indem ihr Sohn spielte, hatte seinerzeit,
entgegen ihrer Erwartungen, gegen das eigentlich völlig aussichtslose Team FC Fuchshöhle verloren. (Bis heute blieb übrigens unentdeckt, dass
 
bei diesem Spiel nicht alles mit rechten Dingen zu ging.) Ihr kam das Leiden des Königs daher sehr gelegen! Denn sie vermisste ihr Einhorn immer noch schmerzhaft und wollte daher nicht, dass der König wieder gesund wird.
Also lockte sie die Prinzessin mit deren Lieblingssüßigkeiten, birnengrünen sauren Lutschbonbons und den Rappen, mit Hilfe goldener Mohrrüben, zu ihrem finsteren Schloss im Tal des Misstrauens.
Olinia erschrak zu tiefst, als Ruckholda's Häscher, fiese riesige Trolle, sie in ein düsteres und kaltes Verlies sperrten.
Natürlich wütete sie und schrie um Rettung.
Als sich die Magierin bald darauf aufmachte, noch ein paar geheime Zutaten für einen besonders giftigen Zaubertrunk zu besorgen, ritt zufällig der stattliche Prinz Chicolando aus dem Reich der Zufriedenheit vorbei. Er hörte die Prinzessin rufen und fragte sich verwundert: „Nanu, eine so anmutige Stimme aus Ruckholda's Burg? Gerade eben sah ich diese doch in der Nähe des verwunschenen Felsens!"
Zögerlich näherte er sich dem Schloss. Durch die Gitter des Verlieses erblickte er die Königstochter und verliebte sich sofort in sie.
Wenn er nur an den Schlüssel vom Verlies kommen und die Wachen überlisten konnte! Den Schlüssel trug die Hexe Tag und Nacht bei sich. Gerade wollte er einen Plan schmieden, da fiel ihm ein, dass sein magisches Pferd den Schlüssel einfach herbei zaubern könnte.
Nichts leichter als das!
Er nahm den Schlüssel vorsichtig in die Hand, als wäre er aus Porzellan. Dann schlich der junge Prinz sich unbemerkt in das dunkle Kellergewölbe. Er fand die Prinzessin und nahm sie vorsichtig bei der Hand. Als sie den Ausgang gefunden hatten und das Tageslicht wieder erblickten, rannten sie schnell zum magischen Pferd des Prinzen, befreiten den Rappen der Prinzessin und galoppierten, als ginge es um ihr Leben (und so war es ja auch)!
Erst auf einer kleinen Lichtung machten sie Rast.
„Du hast mich gerettet!",rief die Königstochter, immer noch erstaunt, jedoch sehr froh.
Sie erklärte dem Prinzen, dass sie auf der Suche nach den Regenbogenblumen war. Dieser versprach ihr sofort seine Hilfe.
 
Das magische Pferd wusste sogar von einer Regenbogenblumenwiese hinter dem reißenden Fluss Meklab. Als es noch ein Fohlen war, hatte seine Mutter ihm immer wieder von diesem Ort erzählt. Sofort machten sie sich auf den Weg.
Es war ein beschwerlicher Ritt, vorbei an steilen Klippen, durch Schluchten, in denen die grausigen Schluchtenbären hausten und über wackelige Hängebrücken. Doch dann erreichten sie endlich den wilden Fluss und sahen am anderen Ufer die gesuchte Wiese.
„So viele wunderschöne Regenbogenblumen“ riefen beide, wie aus einem Munde. „Aber wie sollen wir nur über diesen Fluss gelangen?" stöhnte Chicolando etwas resigniert.
„Schau dort! Pegasus! Dort auf der gegenüberliegenden Seite! Wir werden ihn bitten uns hinüber zu führen." rief Olinia.
Die Prinzessin wedelte mit den Armen, sprang in die Luft und Pegasus wandte sich ihr zu.
Natürlich konnte Olinia mit den Tieren sprechen, - eine Gabe, die immer an die jüngsten Töchter der Familie weitervererbt wurde, um die sie aber nie viele Worte machte.
„Lieber Pegasus",rief sie ihm zu, „kannst du zu uns herüber kommen? Wir haben eine Bitte an dich!" Er schien sie nicht verstanden zu haben und antwortete nach kurzem Zögern: „Habt ihr mich gemeint?"
Der Prinz stutzte und konnte nicht glauben, dass die Prinzessin sich mit Pegasus unterhielt. Auch Pegasus war verwundert: „Wie kannst du meine Sprache sprechen?"
Die Prinzessin wollte sich nicht lange aufhalten lassen. „Du kannst dich doch auch mit mir unterhalten!" meinte sie nur kurz.
„Ja, aber nur weil alle Tiere die Menschensprache verstehen, euch sagt das bloß keiner!"
„Pah, und es gibt eben auch Menschen, die auch die Sprache der Tiere verstehen!"die junge Adlige wurde immer ungeduldiger.
Pegasus war mittlerweile näher zu ihnen gekommen.
„Ganz so einfach ist das nicht, dir haftet ein gewisser Geruch an, der Tiere anlockt und bezaubert, deshalb sprechen sie mit dir! Die meisten Menschen grunzen nur komisch herum und meinen dann, die Tiersprache zu beherrschen! Aber wir Tiere verstehen euch wirklich immer! Oh nein! Steigt schnell auf meinen Rücken!"
 
Mit einem Mal sahen sie sich von vielen Tieren umringt, die ihr Gespräch mitbekommen hatten und nun mächtig sauer auf Pegasus waren, der so leichtfertig ihr streng gehütetes Geheimnis kundgab! Doch die Prinzessin und der Prinz riefen den aufgeregten Tieren zu: „Sorgt euch nicht, euer Geheimnis werden wir bewahren, denn wir achten und respektieren euch! Seid Pegasus nicht mehr böse!"
Pegasus wusste eigentlich auch nicht, warum er überhaupt die Prinzessin und den Prinzen in diese Fähigkeit der Tiere eingeweiht hatte. Nun war er froh, über die Worte der Beiden.
„Nennt mich Aurum ventus, das bedeutet Goldwind", sagte er mit einem gewissen Stolz in der Stimme. „Ach, wie soll ich mir das nur merken? Dürfen wir auch einfach Goldwind zu dir sagen?" fragte Olinia.
„Meinetwegen!" seufzte er. „Jetzt steigt auf! Haltet euch an meiner Mähne fest! Ich fliege euch hinüber!"
Auf der anderen Flussseite bedankten sich Olinia und Chicolando bei Goldwind. Dieser versprach auf sie zu warten, bis sie fertig seien.
Eilig pflückten die Beiden viele Regenbogenblumen und verstauten sie in ihren ledernen Satteltaschen. Genau in diesem Moment trafen sich ihre Blicke und wahrscheinlich wäre es auch zu einem Kuss gekommen, hätte Goldwind nicht nach ihnen gerufen. Erschrocken schauten sich die Olinia und Chicolando an, liefen dann schnell zu Goldwind und stiegen auf seinen Rücken.
Pegasus brachte sie geschwind zu ihren Pferden und bot an, beide auf ihrer Reise zu begleiten. Sie stimmten glücklich zu, weil Goldwind zu ihrem Freund geworden war.
Dann ging es auch schon in gestrecktem Galopp los! Über bucklige Berge, matschige Wiesen und hucklige Äcker durch schwarze Wälder, gefährliche Schluchten und tiefe Gräben! Alles in einem unbeschreiblichen Tempo!
„Endspurt!" rief der Prinz. „Das Reich des Glücks ist nur noch ein paar Ecken und Kurven entfernt!"
Die Prinzessin merkte, dass sie sich langsam schlapp fühlte und fast einschlief.
Da tauchte zur Erleichterung aller, das Schloss ihres Vaters auf.
Der Hofnarr lief ihnen bereits entgegen: „Ihr seid wieder da! Hurra! Ihr seid zurück! Welch ein Glück!"
 
Der Hofstaat erwartete die wilden Reiter ebenfalls schon sehnsüchtig.
 
Die Fanfaren erschallten und alle jubelten. Die Weisen zermalmten in Windeseile die Regenbogenblumen und zapften den Saft. Zum Glück hatten Olinia und Chicolando so viele mitgebracht, denn die Weisen verschütteten vor Aufregung so manchen Tropfen und auch der König hickste so manchen Schluck wieder aus! Aber der Saft reichte, nun ja, ein Milliliterchen fehlte, so dass der König in Zukunft immer mal wieder ins Bauchreden verfiel. Aber das störte niemanden. Jedermann war nämlich froh, dass dieses Unternehmen ein so superschönes Ende gefunden hatte. Denn natürlich haben Olinia und Chicolando ein rauschendes Hochzeitsfest gefeiert!
Das Reich des Glücks und das Reich der Zufriedenheit wurden vereint und zum Reich der Glücksseligkeit.
Auch Ruckholda grollte nicht mehr: „IST MIR DOCH EGAL, SOLLEN DIE DOCH ALLE GLÜCKLICH SEIN!"
 
SCHLUSS! AUS! UND EIN FROHES LEBEN!

Mathilde Jenke

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Der Ritter aus der Pappburg Teil 2

Wie ihr euch hoffentlich erinnern könnt, hat Ritter Malte, der Ritter aus der Pappburg, den Drachen überlistet, indem er ihm sein Handy gab und sagte: „Deine Mutter ist dran!" Und dieser Drache wollte sich dafür rächen. Er traf den Entschluss, dass er einfach seine Burg zerstören musste. Er machte sich also auf den Weg. Als er nach drei Wochen, drei Tagen und drei Stunden endlich die Burg des Ritters fand, speite er Feuer auf sie, lachte böse und sagte: „Hoffentlich war er da noch drinnen." Doch Ritter Malte war derzeit beim Äpfel pflücken. Als er die Flammen am Horizont sah, stieg er sofort auf sein Pferd Klaus und sie ritten so schnell Klaus konnte, zur Pappburg. Doch als sie ankamen, war die Burg nur noch ein Haufen Asche. Malte schrie: „Oh nein, was soll ich denn jetzt machen? Ohne Burg bin ich ja nicht einmal ein richtiger Ritter." Er seufzte: „Dann muss ich mir eben eine neue Burg bauen!"
Und so machte er sich sofort an die Arbeit. Drei Monate, drei Wochen, drei Tage und drei Stunden baute er ununterbrochen an der neuen Holzburg. Doch als der Drache davon erfuhr, machte er sich sofort auf den ihm bereits bekannten Weg und brannte die schöne, neue Holzburg ebenfalls ab. Doch Malte hatte das Märchen von den drei kleinen Schweinchen gelesen. Somit wusste er: Ich brauche eine Burg aus Stein! Und so machte er sich erneut an die Arbeit. Er benötigte für die Burg aus Stein drei Jahre, drei Monate, drei Wochen, drei Tage und drei Stunden. Doch der Drache erfuhr es abermals, machte sich auf den ihm bereits sehr bekannten Weg und spie eine halbe Ewigkeit Feuer auf die Burg. Er spukte so lange Feuer, bis ihm speiübel wurde. Danach rülpste er so doll, dass die Wände der Burg wackelten. Bei dem Rülpser flogen alle Schätze, die der Drache verschlungen hatte, aus seinem Maul. Auch das Handy von Ritter Malte war dabei. Dem Drachen war  

so übel, dass er sofort zu seiner Höhle flog. Danach wurde er nie wiedergesehen.
Ritter Malte aber kaufte sich von dem Schatz ein SUMMSUMM Galaxis S36 und baute sich in seine Burg Feuer-und Drachenmelder ein. Mit dem Rest fuhr er mit Pferd Klaus in den Urlaub und wenn sie nicht gestorben sind, sind sie immer noch im Urlaub.

Jan Rutner, 10 Jahre,  Meusebach Grundschule, Klasse 4b 
 

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Das Schlaraffenland

Es war einmal ein Mädchen namens Alina. Sie lebte in einer alten Holzhütte in Schweden. Alina musste ganz alleine für sich sorgen, weil ihre Eltern bei einem Unglück gestorben waren. Sie war fleißig, aber trotzdem musste sie oft hungern. Eines Tages ging sie wie immer zur Schule und kam an einem Haus vorbei, das sie noch nie zuvor gesehen hatte. Sie war neugierig, was dort wohl drinnen war. Leise schlich sie hinein. Auf dem Boden des ersten Zimmers lagen überall Socken. Alina hasste Unordnung und räumte alle Socken in die alte Holztruhe, die im Zimmer stand. Als sie weiter ging, sah sie ein Regal, in dem 3 Kugeln aus Glas, 7 klirrende Flaschen und 14 Zauberstäbe lagen. Alina fasste nichts an. Denn ihre Eltern hatten ihr gelernt, nicht einfach an fremde Sachen zu gehen. Sie ging noch ein Zimmer weiter. Dort waren ein Tisch und ein Schrank. Der Tisch war über und über mit Staub und Schmutz bedeckt. Das konnte Alina nicht leiden, deshalb holte sie einen Eimer und einen Lappen aus dem Vorzimmer. Sorgfältig wischte sie den Tisch ab. „Ohhh, danke, das tut gut". Alina ließ vor Schreck den Lappen fallen. Denn wer würde das nicht tun, wenn ein Tisch anfängt zu sprechen? „Du bist aber ein fleißiges Mädchen", sprach der Tisch weiter. „Siehst du diesen Schrank?" Alina antwortete erschrocken: „Ja, wieso?" „Weil dort drinnen der Schlüssel für die Zaubertür ist." Erst jetzt sah Alina auf einmal eine schimmernde Türe am anderen Ende des Zimmers. Schnell lief Alina zum Schrank und öffnete ihn. Sie stellte fest, dass sich mehr als 101 Schlüssel darin befanden. Zum Beispiel die 7, die 3, die 13 und die 14. Alina ging ratlos zum Tisch zurück. Plötzlich kam aus der Zaubertüre ein Tischbaby mit seinem Freund, dem Stuhl gesprungen. Alina befreite auch sie vom Schmutz, der wohl von ihrer Reise kam. Da sagte das Tischbaby: „Danke mein liebes Kind. Gern würde ich Dir helfen, den richtigen Schlüssel zu finden. Aber das darf ich dir nur verraten, wenn du mir erzählst, ob wir in unserem Land hinter der Zaubertüre eine dicke oder eine dünne Kuchenfee haben." Alina überlegte. Nach 5 Minuten entschloss sie sich für die dünne Kuchenfee. Denn in einem Land, wo Tische sprechen können, kann man bestimmt so viele Kuchen essen wie man möchte, ohne dick zu werden. Alina flüsterte es dem kleinen Tisch. Er schrie ihr zu: „Richtig! Es ist der Schlüssel mit der 3." Das Mädchen nahm den Schlüssel und schloss die Zaubertür auf. Sie wollte hindurch gehen, da prallte sie zurück, als ob eine unsichtbare Wand vor ihr wäre. Sie versuchte es noch einmal Sie prallte erneut zurück und fiel auf den Boden. Da hüpfte der kleine Stuhl herbei und flüsterte: „Du kannst so nicht hindurch. Du musst etwas Bestimmtes von Dir hier lassen". „Was denn?", fragte Alina. „Das darf ich Dir nicht verraten. Aber du bist ein kluges Mädchen, du findest es heraus", antwortete der Stuhl. Alina überlegte. Wenn sie nicht die erste war, die durch die Türe ging, dann müssten doch auch die anderen etwas dagelassen haben. Zauberstäbe und klirrende Flaschen konnten es nicht sein, auch Glaskugeln hatte sie doch nicht. Da dachte sie an das erste Zimmer. „Ja, das muss es sein", sagte sie laut und legte rasch ihre Socken zu den anderen in die Truhe.
Diesmal klappt es!
Vor ihr lag ein riesengroßer Garten. An den Bäumen wuchsen Bonbons. An den Sträuchern hingen Würstchen. Als sie Durst hatte ging sie zu einem Springbrunnen. Dort traf sie eine Hasenfamilie. Die Hasen riefen: „ Hallo!" Alina plumpste vor Schreck auf den Po. Sie lief immer weiter in das wundersame Land. Nach einer Weile traf sie auf ein großes Schloss. Als sie durch die hölzerne Eingangstür getreten war, lag ein riesiger Saal vor ihr. In diesem stand eine herrlich gedeckte Tafel. An der Tafel saß eine prächtig gekleidete Fee. Die bezaubernde Fee sprach: „ Setz dich doch, trink und iss mit uns." Alina nahm die Einladung sehr gerne an. Da schwebten die Speisen herbei. Hinterher kamen weitere Feen und viele fröhliche Kinder. Bei den Feen war auch die schlanke Kuchenfee dabei. Alle hatten ein festliches Mahl.
Und wenn sie nicht gestorben ist, dann essen sie noch heute.

Laura Kreilinger, Meusebach Grundschule , 3b

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Der Spielmann und die Zaubernoten

Es war einmal im einsamen Walde in einem kleinen Häuschen ein Spielmann. Und er war so einsam, dass ihm nur die Musik übrig blieb. Er schrieb Lieder über die Tiere im Wald.
Jeden Morgen stand er früh auf, um die Tiere in der Morgendämmerung zu sehen, und jeden Abend ging er spät ins Bett, um noch ein paar Lieder zu komponieren. An diesem Morgen stand er sogar früher auf als sonst. Er wollte neue Lieder über neue Tiere schreiben, die noch nie Leute vor ihm gesehen hatten.
Also zog er los, er kam an vielen Quellen, Tieren und Feldern vorbei. Aber an keinem unentdeckten Tier. Doch da ganz plötzlich sah er ein schräg stehendes Häuschen. Er schlich vorsichtig zum Häuschen und klopfte an die Tür: „ Hallo, ist da jemand? Hallo, jemand da?“ „Was willst du, du aufdringlicher Kerl! Hau ab, na los!“ rief jemand aus dem Haus. „Ist ja gut, ich wollte nur einmal „Hallo“ sagen.“, sagte der Spielmann. Doch da ging die Tür auf, und eine erbärmlich hässliche Hexe kam zum Vorschein. Ihr Warzen bedecktes Gesicht lachte spöttisch: „Wer bist du denn? Die siehst aus wie ein Spielmann, ein einsamer Spielmann… Aber egal! Hau ab na los bevor ich dich in eine Kröte verwandele!“, dann schlug sie die Tür zu. Als der Spielmann wieder zuhause war schrieb er ein Lied über die hässliche Hexe und ging dann schlafen. Am nächsten Morgen klopfte beim Spielmann jemand an die Tür und rief: „ Oh lieber Spielmann mache doch bitte die Tür auf! Ich möchte dir für deinen Besuch gestern danken. Ich hatte so lange keinen Besuch mehr!“
Der Spielmann machte also die Tür auf und bat die Hexe herein. Die beiden setzten sich an den runden Tisch neben dem Klavier. „Spiel mit etwas vor, na los!“ befahl die Hexe. Also setzte sich der Spielmann an das Klavier und spielte ein Lied.
„Schönes Lied, wie heißt es?“, fragte die Hexe. „Es heißt “Die hässliche Hexe“ antwortete der Spielmann. „Du nennst mich hässlich?“, sagte die Hexe „na warte! Das wirst du mir büßen!“ Die Hexe stand auf, zückte ihren Zauberstab und es blitzte. Dann verschwand alles.
Als der Spielmann wieder aufwachte konnte er sich nicht erinnern was passiert war. Er fühlte sich wie immer, aber trotzdem fühlte er sich unwohl. Er setzte sich an das Klavier und spielte das Lied „Der Fuchs“. Alles war wie immer. Als er fertig war, war er müde und so ging er ins Bett. Plötzlich wurde er aber von einem poltern geweckt. Die Tür knarrte und herein kam eine Reisende. Sie war dreckig, Gras klebte in ihren Haaren und ihre Schuhe waren mit Schlamm bedeckt. „Hallo, ist hier jemand?“ fragte sie. „Ich werde nur mal ein wenig hier auf dem Klavier spielen…wenn es nichts aus macht…“
Kann sie mich denn etwa nicht sehen? , fragte sich der Spielmann. Schnell stand er auf und zeigte sich. Die Reisende sah ihn und rief: „ Oh was ist denn das? Haben sich wohl die Tiere hier schon ein Nest gebaut. Komm Kleiner ich bringe dich raus.“ Sie packte den Spielmann und trug ihn heraus. „Wie zahm du bist. Das ist ungewöhnlich für einen Fuchs, sehr ungewöhnlich!“ Nun wagte der Spielmann sich gar nicht auf die Hände oder Pfoten zu gucken. Nachdem er draußen war rannte er also zu einer Quelle und schaute sein Spiegelbild an. Er starrte: Oh je, was mache ich jetzt bloß? Und da ihm kein anderer Ausweg einfiel, lief er zurück ins Haus, um es der Reisenden zu sagen. Aber als er dort war, spielte sie das Lied „Der Hirsch“. Der Fuchs dachte noch einmal gründlich nach und da fiel ihm die Hexe ein. Er ließ die Reisende in seinem Haus zurück und rannte wie der Blitz zur Hexe.
Er war schon gegen viele Bäume gerannt und hatte sich schon oft verlaufen aber er wollte unbedingt aus diesem Fuchskörper heraus! Nachdem er das Haus endlich gefunden hatte, klopfte er, so gut wie man es mit Pfoten machen konnte, an die Tür. „ Oh, hallo Spielmann! Komm doch rein.“, sagte die Hexe als sie die Tür aufmachte. „Woher hast du mich erkannt?“, fragte der Fuchs. „Naja, nicht jeder Fuchs hat ein Geweih auf dem Kopf.“ Der Spielmann guckte zum Spiegel neben ihm und erschrak. „Du wolltest ein seltenes Tier sehen, nun bist du selbst eines. Du bist bestimmt hergekommen um zu erfahren wie du den Zauber loswirst, ha haha! Pass auf, ich sage es nur einmal! Du hast bestimmt schon bemerkt, dass immer wenn du oder ein anderer eines deiner Tierlieder spielt, ein Teil dieses Tieres dazu kommt. Komponiere ein Lied über dich und du wirst befreit. Aber Achtung, spielen musst du es auch!“, sagte die Hexe während sie in der Küche kochte. „Und das alles mit den Pfoten?“ fragte der Spielmann. „Oder ein anderer.“ sagte die Hexe „Aber du kannst nur mit mir sprechen. Ich habe jetzt aber wirklich viel zu tun, wiedersehen!“
Dann schob die Hexe den verwandelten Spielmann die Tür heraus und knallte sie zu. Langsam bekam der Spielmann großen Hunger. Er wanderte schon Tage durch den Wald. Plötzlich fand er aber Hoffnung. Am Horizont sah er Gebäude, Dächer, Türme und Kirchen, er war in der Stadt. Dort gab es viele Stände mit Obst, Gemüse und Fleisch. Doch leider hatte er kein Geld um sich etwas kaufen zu können. „ Seht mal ein Fuchs mit Geweih!“, schrie ein Kind. Alle Leute waren plötzlich hin und weg von diesem außergewöhnlichen Tier. Die Leute gingen näher heran um besser zu können. Ein riesiges Getümmel brach aus. Der Spielmann wurde von Massen bedrängt und ihm blieb nichts anderes übrig als wegzulaufen. Er rannte durch die Menschenmasse zurück in den Wald. Er rannte und rannte und landete schließlich in den Armen der Hexe. Alle Stadtbewohner, die hinterher gerannt waren, rannten kreischend davon. „Komm ich bring dich jetzt in mein Haus da kannst du erstmal bleiben.“ sagte die Hexe. Als sie dort waren, wandte der Fuchs ein: „ So, und nun nimmst du dir bitte ein Blatt und schreibst das auf was ich dir sage, na los!“ Die Hexe gehorchte. „Und nun setzt du dich dort hinten an das Klavier und spiele diese Melodie“, befahl der Spielmann. „Wieso sollte ich dir gehorchen?“, fragte die Hexe. „Wenn ich wieder ein Mensch bin, werde ich dir mit einem Lied über deine Freundlichkeit meinen Dank ausrichten.“ sagte der Fuchs. Die Hexe war einverstanden und setzte sich an das Klavier. Als sie anfing zu spielen, blitzte es.
Alles verschwand. Nachdem der Spielmann wieder bei Bewusstsein war, guckte er seine Hände und Füße an, alles war wieder normal! Die Hexe saß neben dem Klavier und wartete auf das was der Spielmann ihr versprochen hatte. Der Spielmann verstand und setzte sich an das Klavier. Er überlegte kurz, dann fing er an zu spielen. Der Hexe schossen Tränen in die Augen, so etwas Schönes hatte sie noch nie erlebt. Dann blitzte es wieder, der Spielmann hörte auf zu spielen und drehte sich zu der Hexe um. Dort saß aber keine Hexe mehr, dort saß eine wunderschöne Zauberin, die sprach: „Du hast mich von meinem Fluch befreit ich danke dir!“
Die beiden wurden ab da an beste Freunde und waren immer für einander da. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Eva Sacharow

 

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Die Teekanne aus Brandenburg

Es war einmal ein Sohn, der lebte mit seiner Mutter in einem kleinen Haus in Brandenburg. Sie hatten kaum was zu Essen und Wasser holten sie sich aus der Havel. Eines Tages erkrankte die Mutter schwer und der Sohn musste jetzt selber Wasser holen.
Am nächsten Morgen ging der Sohn zur Havel um Wasser zu holen. Auf dem Weg begegnete ihm eine alte Dame, sie schleppte einen schweren Sack voller Äpfel. Die Dame bat um Hilfe. Und obwohl er Wasser für seine Mutter holen sollte, half er der alten Dame den schweren Sack zu ihr nach Hause zu tragen. Als Dankeschön für seine Hilfe gab ihm die alte Dame eine Teekanne und sagte: „Wenn du rufst: „Kanne geh!"- dann fühlt sie sich mit klaren Wasser. Und wenn du sagst: „Kanne steh!" — so versickert das Wasser". Der Junge glaubte der alten Dame nicht, aber er wollte sie nicht traurig machen und nahm die Teekanne mit nach Hause. Es ist spät geworden. Er war enttäuscht, weil er kein Wasser mehr holen konnte. Auf dem Weg nach Hause bekam er Durst und er dachte nach und sagte: „ Ach hält ich nur das Wasser aus der Havel geholt". Mir bleibt wohl keine andere Wahl, ich werde die Teekanne testen und sagte: „Kanne geh" und tatsächlich, sie fühlte sich mit Wasser, er trank es aus und sagte: „Kanne steh" und das Wasser versickerte in der Kanne. Er freute sich und rannte wie der Wind nach Hause um es der Mutter zu zeigen. Die Mutter war erstaunt und glücklich, denn sie hatten jetzt für immer frisches Wasser zu Hause.
Und so lange sie nicht gestorben sind so fühlt sie sich noch heute.
 
Phillip Belkow, 10 Jahre
 

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Die verrückte Matheaufgabe

In meinem Mathebuch war immer alles in bester Ordnung: 1+1=2, 2+2=4, 2+4=6 und so weiter, völlig normal eben!
Eines Tages, als ich mich an meinen Schreibtisch setzte, um meine Mathehausaufgaben zu machen, machte ich eine unheimliche Entdeckung. Ich sollte die Aufgaben 1 und 2 auf Seite 8 lösen und schlug mein Mathebuch auf der ersten Seite auf. bort stand in großer Schrift die Zahl 14. Ich rieb mir die Augen und blätterte verwirrt weiter. Statt der Zahl 2 fand ich die Seitenzahl 5. So ging es weiter, es folgte die 13, dann die 21. Was war bloß passiert? Träumte ich etwa? Ich blätterte vor und zurück, alle Seitenzahlen schienen durcheinander geraten zu sein und die Seite 8 war unauffindbar. Wie sollte ich so denn bloß meine Hausaufgaben lösen?
Gerade als ich aus meinem Zimmer eilen wollte, um meiner Mutter von dem fantastischen Ereignis zu berichten, hörte ich eine Stimme in meinem Ohr: „Erschrecke nicht, Iyari, ich bin es, die Zahlenfee Zita. Ich kann dir erklären was passiert ist, aber es ist streng geheim...'. In diesem Moment hörte ich den Ruf meiner Mutter 'Essen!' und die Fee verstummte.
Verwirrt klappte ich mein Buch zu und ging in die Küche zum Essen. Hatte ich das Alles etwa nur geträumt?
Nach dem Essen musste ich ins Bett, und ich schlief sehr unruhig. Was würde meine Lehrerin sagen, wenn ich die Hausaufgabe nicht gemacht habe? Was hatte es mit der Fee auf sich?
Am nächsten Morgen wachte ich sehr früh auf, ich hatte Mathe in der ersten Stunde. Mir war ganz unwohl zumute.
 
Der Unterricht begann und meine Lehrerin schrieb Zahlen an die Tafel. Diese begannen sogleich sich zu verschieben, die Zahlen schienen zu tanzen. Ich erschrak und hörte plötzlich erneut die Stimme der Zahlenfee in meinem Ohr. Sie erzählte mir die Geschichte vom bösen Zauberer Grobius. Der Zauberer wurde als kleiner Junge von der Zauberschule geworfen, da er die Matheaufgaben nicht lösen konnte. Seitdem hasste er Zahlen und Lehrer und wollte sich an ihnen rächen. Gerade als er den bösen Zauberspruch zum Verhexen der Zahlen mit seinem Zauberstab ausgesprochen hatte, wurde er von der Zauberpolizei verhaftet, die schon seit langem auf seinen Spuren waren. Sie nahmen ihm den Zauberstab weg, um weiteres Unheil zu verhindern. So hatte er keine magischen Kräfte mehr, aber der Zauber wirkte schon. Die Zahlen blieben verhext und nur der Zauberstab und der richtige Zauberspruch könnten die Magie lösen.
Die kleine Zahlenfee hatte alles beobachtet und kannte den bösen Zauberer. Sie hatte einmal versucht, ihm das Rechnen beizubringen, aber es hatte nicht geklappt. Der Zauberer wurde damals sehr böse und wollte die Fee nie mehr sehen.
Nun war die kleine Fee die Einzige, die einen Rück-Hexspruch kannte (sie hatte immer heimlich im Zauberbuch des Zauberers gelesen): 'Eene, mene malen, rückgängig wird die Magie mit den Zahlen! Hex hex!' und sie wusste, dass dieser Spruch mit Hilfe des Zauberstabs und eines Mathebuches bis Sonnenuntergang gesprochen sein musste. Sonst würde für immer ein Zahlenchaos bleiben.
Die kleine Fee flüsterte mir ins Ohr: ' bu musst mir helfen und zur Zauberpolizei gehen und den goldenen, mit Edelsteinen besetzten Zauberstab zurückholen. Die Polizei wohnt in einer Baumhöhle in der alten Eiche im Schlosspark. Du kennst bestimmt den Ort, weil du doch dort immer spielst! Beeil dich!'. Ich atmete tief durch und überlegte. Mit der Entschuldigung, dass ich mal auf die Toilette gehen muss, stürmte ich aus dem Klassenzimmer.
Ich sprang auf mein Fahrrad und radelte so schnell ich konnte zum Schlosspark zu meinem Lieblingsbaum.
 
Die Polizisten machten gerade Mittagsschlaf und so konnte ich ungesehen den Zauberstab schnappen.
Ich zog schnell mein Mathebuch aus der Tasche und erblickte die kleine Fee neben mir. Ich tippte die verrückten Zahlen mit dem Zauberstab an und die Fee sprach den Zauberspruch dazu. Sofort flogen alle Zahlen auf ihren richtigen Platz zurück. Der Zauber war gebannt und ich konnte endlich meine Mathehausaufgabe auf Seite 8 machen.
Am nächsten Tag waren auch die Zahlen an der Tafel wieder geordnet. Keiner wusste, was am Vortag passiert war (außer mir natürlich). Die Kinder dachten schon, dass die Mathelehrerin verrückt geworden wäre....

Iyari Castro Talavera, 8 Jahre

 

 

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Die Waldelfen von Brandenburg

 Eines Tages trug es sich zu, dass in den nahen Wäldern Brandenburgs mehrere Waldelfen lebten. Diese waren in etwa zehn Zentimeter groß und sehr naturverbunden. Es war in einem der vielen Waldelfen-Klans des Gördenwaldes, dort wurde eines fernen Tages ein Baby geboren. Nicht irgendein Baby, sondern ein besonderes Baby. Doch das wusste damals noch keiner. Das Baby, dass nun auf den Namen Wilhelm hörte, lebte zehn Jahre glücklich bei seiner Familie. In den Jahren lernte er auf einem Vogel zu fliegen. In dieser Disziplin war er ein wahrer Meister. Doch dann, etwa drei Wochen nach seinem zehnten Geburtstag, wurde seine Mutter krank. Es war keine Grippe oder ein Fieber, sondern etwas Schlimmes, eine Krankheit, die die Waldelfen „Tod des Waldes" nannten. Dies fand der Klan-Älteste namens Kuno bei einer Untersuchung heraus. Außerdem sagte er, dass es nur ein einziges Heilmittel gibt. Dieses Heilmittel nannte man „Lebenskraut". Dieses verkaufte nur Kuno' s Freund in der Stadt. „Dieser war" so Kuno „der einzige Mensch, dem ein Waldelf traue
konnte." Dass das stimmte, würde Wilhelm noch früh genug herausfinden. Aber vorher gab Kuno Wilhelm noch eine Wundersalbe. Also machte er sich mit seinem Freund Arminius (einer Amsel) auf den Weg nach Brandenburg. Mit dabei hatte er auch Gustav. Dieser war ein Marienkäfer, den er immer in einer Schachtel aufbewahrte. In Brandenburg angekommen, kreiste Wilhelm dreimal über den Marienberg und genoss die Aussicht. Doch da fiel ihm seine Mission wieder ein. Also landete er auf dem Kopf vom Roland nahe des Altstädtischen Marktplatzes. Dann ließ er einen leisen Pfiff ertönen, und Arminius flog weg. Wilhelm nahm seinen Gleitmantel, einen Mantel der von den Vögeln abgeguckt war. Mit ihm konnte man Gleiten und es war nicht schlimm, wenn man irgendwo runter fiel. Auf dem Altstädtischem Marktplatz gelandet, schlängelte er sich zwischen den Beinen der Menschen hindurch. Doch plötzlich ertönte ein Ruf: „Da, ein Kobold! ! !" Sofort wurde Wilhelm klar, dass er gemeint war... „Er ist sicher für alle Missernten zuständig!" rief ein Bürger. Wilhelm bekam es mit der Angst zu tun. Sofort ließ er einen lauten scharfen Pfiff ertönen. Arminius kam zwar, doch der „Luftraum" war voll mit spitzen Gegenständen wie Hacken, Sensen und Messern, so dass die Amsel nirgends landen konnte. „Flieg weg Arminius! Hol Hilfe!" rief Wilhelm. Das tat die Amsel. Wilhelm, der nun vollkommen umzingelt war, hatte keine Chance. Doch da war es zu spät, er sah nur noch schwarz. Als er aufwachte, war er mitten in einem Käfig. Dieser war mitten im Ratskeller. Da holte er die Schachtel mit Gustav heraus und flüsterte: „Gustav, flieg zu dem Wachmann und zwar vor seine Nase. Wenn er versucht dich zu erschlagen, weiche aus und flieg vor den Käfig. Dann schwirre etwas vor seiner Nase herum. Doch sei stets auf der Hut!" „Bsss" antwortete Gustav wie als Bestätigung. Also schwirrte er los. Als der Wächter beim Käfig von Wilhelm war, schnappte er sich den Schlüssel und befreite sich. Es klappte alles so wie geplant! Dann ließ er den gleichen lauten scharfen Pfiff ertönen wie schon mehrere Male zuvor. Sofort kam Arminius mit kräftigen Flügelschlägen an. Doch leider nicht nur er kam, sondern auch mehrere Wachmänner die sich nur in einer Sache von dem Schlüsselträger unterschieden: Sie trugen Gewehre. Geschwind kletterte Wilhelm auf Arminius Rücken. Sofort eröffneten sie das Feuer. Dann schrie einer der Bewaffneten, offensichtlich der Anführer: „Passt auf! Schießt nur seinen Vogel runter! Ohne den Zwerg werden wir nicht reich!" „Ich bin kein Zwerg und auch kein Kobold!" schrie Wilhelm empört. Dann in leiserem Ton und an die Amsel gerichtet: „Hast du gehört, die wollen dich runterholen!" Geschickt wich die Amsel jedem Schuss aus, fast jedem! Plötzlich fiel Arminius getroffen zu Boden. Sein Flügel war verwundet. Rasend schnell kamen die Männer näher. Oh nein!!!
„Arminius, ich glaube wir sind gerettet! Erinnerst du dich, wir hatten doch dieses Zauberzeug von Kuno bekommen." Fiel es Wilhelm ein. Dann packte Wilhelm eine geheimnisvoll schimmernde Salbe aus und trug sie auf Arminius' Wunde auf. Genau in dem Moment kam im Umfeld von etwa 5 Metern ein tiefer dunkler Nebel auf. Die Wunde von Arminius heilte sofort. Mit drei kräftigen Flügelschlägen erhob sich der Vogel und sie flogen los. Endlich! Die Gefahr war zu Ende. Nach etwa einer halben Stunde suchen, fand er in der Ritterstraße den Laden, den Kuno ihm so ausführlich beschrieben hatte. Dem Schild des Ladens entnahm Wilhelm, dass der Freund von Kuno Siegfried heißen musste. Auf dem Schild stand nämlich:
„Heil- und Hexenvertreibungskräuter aller Art, Inhaber: Siegfried". Also sagte er Arminius: „Warte hier. Ich bin in spätestens 10 Minuten zurück." Als Wilhelm den Laden betrat, sah er aber hunderte- wenn nicht sogar tausende Kräuter. Dementsprechend roch es auch. Es war, als würde jeder einzelne Millimeter des Ladens seinen eigenen Geruch ausstrahlen. Mal roch es nach Dschungel, woanders nach dem Abwasser einer Stadt und wieder woanders nach leckerem Salat. Plötzlich trat ein alter Greis aus den Kräuterregalen hervor. Sofort fing dieser mit rauchiger, hoher und belustigter Stimme an zu plappern: „Oh, hallo du bist ja ein Waldelf. Weißt du, es ist Jahre her, dass mich ein Waldelf besucht hat. Ach übrigens, du kennst doch Kuno, oder?" Wilhelm wollte gerade antworten, doch da fuhr Siegfried fort. „Ja klar kennst du ihn! Wie geht es dem alten Haus, mh? Ach, was willst du eigentlich?" Endlich konnte Wilhelm antworten: „Also, erstens es geht ihm gut. Zweitens ich möchte bitte das „Lebenskraut"." Daraufhin erzählte Siegfried: „Ahh, gut. Da. Ach übrigens, willst du mal was testen? Bestimmt, na klar! Na klar willst du was testen!" „Ähh ich weiß ja n..." antwortete Wilhelm unsicher. Doch sofort unterbrach Siegfried ihn: „Ach was soll schon passieren." Plötzlich wechselte Siegfrieds Stimme von einem belustigten Ton in einen ernsten. „Hier. Das ist ein Zauberstab. Ich spüre in dir etwas, das ich nur aus Büchern kenne. Du, nun ja, hast eine Art Magie in dir drin." Siegfried klopfte mit seinem Finger auf Wilhelms Brust. Er deutete aufs Herz. „Da behalt ihn." Er gab ihm nicht nur die Heilkräuter sondern auch den Zauberstab, der so aussah, als wäre er genau auf Wilhelm angepasst. Er bestand aus rot blauem Holz. Am Griffende hatte er einen goldenen Rahmen, in deren Mitte eine bläulich schimmernde Kugel schwebte. „Pass gut auf ihn und auf dich auf. Ach übrigens, du musst nur ganz stark an etwas denken. Wenn du dann auch noch den Zauberstab in der Hand hältst, dann passiert das, was du dir vorgestellt hast. Aber benutze ihn nur für Gutes. Oh, und grüße Kuno von mir." Sofort dachte Wilhelm an seine Mutter und nickte. Draußen wartete Arminius schon ungeduldig. Auf Arminius ärgerlichen Blick antwortete Wilhelm: „Ja, ich weiß, hat länger als zehn Minuten
gedauert." Doch nun flogen sie los in Richtung Gördenwald. Schon fast im Waldelfen-Dorf angekommen, hörte Wilhelm einen aggressiven Schrei. Instinktiv riss er seinen Kopf runter. Gerade rechtzeitig tat er das. Doch der Vogel, offensichtlich ein Falke, setzte erneut zum Angriff an. „Arminius! Flieg in den Wald! Ein Falke verfolgt uns, im Wald werden wir ihn besser los!" Sofort schoss Arminius in Richtung Boden. Kurz vor dem Aufprall bremste er ab, und flog im Zickzack um die Bäume herum. Nach einer rasanten Verfolgungsjagd wurde Wilhelm bewusst dass der Falke immer weiter aufholte. Doch da fielen es Wilhelm wie Schuppen von den Augen! Er konnte doch angeblich „Zaubern"! Auch wenn er selbst nicht ganz daran glaubte, war das seine letzte Chance. Also nahm er den Zauberstab in die Hand und visierte den Falken an und wünschte sich, dass dieser gegen einen Baum knallte. Und siehe da, es geschah! Er konnte tatsächlich zaubern! Wenig später, beim Dorf der Waldelfen, erfuhr er, dass seine Mutter von selbst geheilt wurde. Doch er wusste das dass daran liegen musste das er in Siegfrieds Laden an seine Mutter gedacht hatte. Außerdem erfuhr er dass man ihn für tot gehalten hatte. Nach einer ausführlichen Erklärung der Ereignisse gab er noch eine Zaubervorstellung, die mit einem Feuerwerk endete. Ganz plötzlich hörten die Waldelfen ein Horn. Das Horn, dass die Wachsoldaten der Waldelfen immer bliesen wenn Gefahr drohte. Doch da sah man schon die Gefahr... Der Falke! Der, den Arminius und Wilhelm schon kannten. Sie hatten ihn offensichtlich sehr, sehr verärgert! Doch der Zauberstab lag nicht in Reichweite. Die einzige Waffe, die Stein Katapulte der Waldelfen waren nicht einsatzbereit. Die Fliegerstaffel der Waldelfen hob sofort ab, darunter auch Wilhelm mit Arminius. Die Waldelfen schossen mit ihren Bögen auf den Falken. Gerade, als es so aussah das die Waldelfen verlieren würden, waren die Stein-Katapulte fertig. Diese schossen bis der Falke verjagt war.
',Hurra! ! !" schrien viele der Waldelfen. Zur Feier des Tages wurde gefeiert, geschlemmt und alle waren glücklich bis an ihr Lebensende.

Jannis Buder/ 10 Jahre, von Saldern-Gymnasium Europaschule


 
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